In unseren Bikekursen ist es einer der wichtigsten Lektionen: Sei ein Pilot und kein Passagier.

Das gilt natürlich nicht für Flugstunden, sondern für das Bergabfahren beim Biken. Viel zu viele Biker setzen sich aufs Bike, als würden sie in einen Zug einsteigen: Aufsitzen, festhalten und warten bis man ankommt. So überspitzt formuliert, wird den Meisten klar, wo der Hund begraben liegt. Natürlich tut man mehr, als sich nur festzuhalten, oft aber eben zu wenig. In den folgenden Abschnitten möchte ich die Vor- und Nachteile einer aktiven Fahrweise erläutern und die grossen Risiken und Nachteile einer passiven Fahrweise aufzeigen.

mtb fahrtechnik aktiv fahren

Pilot oder Passagier – Es liegt an Dir

Feelings

Biken macht Spass. Da sind wir uns wohl einig. Manchmal macht es mehr Spass, manchmal weniger. Das kann sowohl an der Tagesform liegen, als auch am Trail oder der Gegend, dem Wetter, dem Untergrund, dem Bike oder einer Kombination davon. Nicht immer läuft es wie erwartet und manchmal möchte man das Bike sogar in die Büsche schmeissen. So viele Aspekte beeinflussen uns und unseren Spass auf dem Bike, dass man selten alles perfekt hinbekommt. Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, die negativen Einflüsse zu minimieren, damit einem unvergesslichen Erlebnis nichts im Wege steht.

Einer dieser Punkte ist die bewusste Steuerung des Bikes:

Du sitzt im Flugzeug, schaust aus dem Fenster und wartest, bis Du ankommst.
Du sitzt am Steuerknüppel eines Flugzeugs und kannst Tempo und Flugrichtung selber bestimmen.
Welche dieser beiden Situationen werden Dir mehr Spass machen?

Auf dem Bike bedeutet mehr Kontrolle nicht automatisch mehr Spass, aber viele Einflüsse sind davon betroffen:

  • Reagieren ist langsamer als Agieren – somit ist man öfter am reagieren, als aktiv zu steuern, was als nächstes geschieht.
  • Die passive Haltung kann zu Langeweile führen – somit kann kein Flow entstehen. (Was ist Flow?)
  • Man verlässt sich auf die Technik – anstatt sich auf die Fahrtechnik zu verlassen.
  • Man fährt vermehrt in der Komfortzone und macht weniger Fortschritte. (Mut und Selbsteinschätzung auf dem Bike)
  • Die passive Haltung fördert Ängste – Eine aktive Haltung fördert Aggressivität und führt zu mehr Kontrolle.
  • Das ‚Spielen‘ mit dem Trail ist befriedigender, als sich von ihm durchschütteln zu lassen.

Perversion

Leider gibt es beim Biken eine traurige Tatsache, mit der jeder von uns leben muss: Je schneller und selbstsicherer man fährt, desto einfach und leichter wird das Bergabfahren. Je vorsichtiger man ist und je mehr man sich fürchtet, desto schlimmer wird die Erfahrung.

Beispiel: Ein erfahrener und schneller Fahrer fliegt schnell schnell mal über ein 2 Meter langes Steinfeld hinweg und spürt überhaupt nichts. Ein Anfänger bremst vorher ab, fährt zu langsam rein und wird dadurch durchgeschüttelt, das Tempo nimmt weiter ab und der Spassfaktor sinkt. Ausserdem steigt auch noch das Unfallrisiko.
Fazit: Der erfahrene Biker geniesst mehr Vorteile als der Anfänger, ganz alleine aus der Tatsache heraus, dass er sowieso besser fährt. Dem Anfänger werden noch mehr Steine in den Weg gelegt. Deshalb ist es so wichtig, ein gewisses Mindestmass an Fahrtechnik zu beherrschen – Nicht um Rennen zu gewinnen oder besser zu sein als ein anderer, sondern um mehr Spass zu haben. Einer der wichtigsten Aspekte einer guten Fahrtechnik, ist die aktive Fahrweise.

Aktiv Fahren

Damit ist nicht nur eine aktive Fahrweise auf dem Bike gemeint, sondern auch die proaktive Haltung. Was steht da im Duden zu „proakiv„? Durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend.

BMXer kennen das gut: Um gegenüber den Konkurrenten einen Zeitvorteil herausfahren zu können, müssen sie jede Möglichkeit nutzen, um zu beschleunigen. Dies wird hauptsächlich dadurch erreicht, dass man das Bike vor einem Hindernis entlastet, damit der ‚Aufprall‘ und damit der Geschwindigkeitsverlust gering bleibt. Nach dem Hindernis wird gestossen/gepusht (die gewonnene Energie von der vorherigen Bewegung zurückgegeben), damit man möglichst schnell nach dem Hindernis wieder beschleunigt.

Man kann diese Technik auch auf Absätzen, über Wurzelteppiche oder Steinformationen anwenden – eigentlich überall, denn wenn man die Steine, Wurzeln und Löcher wegdenkt (welche sowieso von der Federung übernommen werden) ist ein Trail nichts anderes, als ein ständig fliessendes auf und ab. Wendet man diese Fahrweise auf dem Trail an, kann man von vielen Vorteilen profitieren:

  • Längerer Kontakt mit dem Untergrund und somit mehr Grip.
  • Weniger Druck auf den Rädern beim Überrollen eines Hindernisses. (Vorteilhaft wenn es rutschig ist)
  • Die aktive Führung des Bikes verhindert ungewollte Richtungsänderungen.
  • Die korrekte Be- und Entlastung der Räder führt zur Entlastung der Federung, dies sorgt für Reserven und bringt mehr Sicherheit.
  • Der erhöhte Speed nach dem Hindernis sorgt für mehr Kontrolle auf dem folgenden Streckenabschnitt.
  • Man fährt sanfter über das Hindernis, wird weniger durchgeschaukelt und ist somit früher bereit für weitere Hindernisse.
  • Man spart Energie, indem man harte Schläge vermeidet.

Du siehst, dass man mit nur einem Aspekt der Fahrtechnik viele Vorteile für sich gewinnen kann.

Die richtige Linienwahl, eine guten Kurventechnik und Tricks wie Bunnyhops sind weitere Aspekte einer aktiven Fahrweise. Setze Dich mit diesen Faktoren auseinander und Du wirst nicht nur bald gekonnter und sicherer durch die Wälder fahren, sondern auch mehr Spass dabei haben.

Möchtest Du das bei uns an einem Kurs lernen? Dann melde Dich hier an

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Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

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Erstellt von am 13. Oktober 2015