Welcome to the Serki Show oder wie ich diesen Beitrag eigentlich lieber nennen möchte: Das Kamel und seine Treiber.

5. September 2009: Um die für mich bereits sehr frühe Uhrzeit von 7.30 Uhr steige ich in meine Karre. Wieder einmal voll bepackt natürlich. In diesem Fall bis an die Zähne bewaffnet mit der kompletten Bikeausrüstung, sämtlicher Fotoausrüstung, einem Beamer und 2 Macs.
Es geht in die zweite Runde des MTB Fotokures mit Martin Bissig.

Das Wetter macht eine gute Gattung und verspricht stabil zu bleiben. Immerhin schon mal eine der vielen notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Viel zu früh treffe ich fast gleichzeitig mit Martin nach einer nur einstündigen Anfahrt in Filzbach ein. Im Hotel Lihn ist für unseren Workshop ein 20 m2 grosser Seminarraum reserviert, welcher sich jedoch als 3×3 Meter grosses Zimmer erweist. Die zweite notwendige Voraussetzung knapp erfüllt. Ein grosser Raum wäre kein Luxus gewesen, dafür haben wir ohne Zögern einen guten Beamer bekommen, als sich meiner als zu lichtschwach erwies.

Mit frischem Kaffe in den Tassen eröffnen wir den Kurs gleich auf der Terrasse des Hotels. Die Teilnehmer Dani, Roger, Martin, Jan und Tobias sind natürlich ebenfalls allesamt leidenschaftliche Biker und ergänzen ihr Hobby mit der Fotografie. Gespannt auf die folgenden zwei Tage geht es ab in den Kursraum.

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Auf geht’s. Ohne Vorbereitung gleich mal in die Wand…

Martin Bissig bringt die Jungs erstmal in Bezug auf die Grundlagen der Fotografie auf Vordermann. Licht, Blende, Belichtungszeit und viele weitere Basics werden durchgenommen und von Martin auf professionelle und rhetorisch sehr sichere Weise erklärt. Neben seines fotografischen Talents und Fachwissens ist dieser Aspekt wohl der Wertvollste für den Kurs und auch die Teilnehmer. Martin kann sein Wissen auf eine sehr prägnante Art vermitteln und verstärkt dies mit seiner klaren Ausdrucksform. Er geht auf die Bedürfnisse der Fotografen einzeln ein und scheut sich auch nicht seine Tricks und Kniffs preiszugeben. Die Kursteilnehmer waren jedenfalls von ihm beeindruckt und konnten enorm viel von seinen breitgefächerten Erfahrungen profitieren.

Unterstützt von Video- und viel Präsentationsmaterial vergeht die Kurszeit wie im Fluge. Nachdem Martin den Jungfotografen die erforderliche Theorie für die erste Fotosession eingehend erläutert hat, geht es ab auf die Piste. Dachten wir. Als wir an der Talstation ankommen dann die erste nicht erfüllte Voraussetzung für einen erfolgreichen MTB Fotokurs: Der Bikepark ist geschlossen!

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Was eigentlich eine gute Sache ist, wird uns fast zum Verhängnis. Bei schlechter Witterung und schlechten Streckenbedingungen schliesst der Bikepark seine Pforten, um die Strecke keiner übermässigen Erosion auszusetzen. Die Idee find ich clever und äusserst vorbildlich! Leider scheinen diese Vorkehrungen die Ziele nicht erreichen zu können, da der Zustand des Trails stark zu wünschen übrig lässt. Aber ich will nicht vorgreifen…

Ohne uns etwas anmerken zu lassen lösen wir unser Bahnbillet und lassen uns nach oben befördern. Immerhin sind wir mit Jans Freundin Lisa schon ganze zwei Biker. Da auf der Bergspitze noch dichter Nebel herrscht und die Temperaturen sich eher im einstelligen Bereich bewegen, verstecken wir uns erstmal im Bergrestaurant und lassen uns unser Mittagessen schmecken. Martin kann bei den Bikepark-Verantwortlichen erreichen, dass wir trotzdem rein dürfen. Danke Martin! Kurz nach ein Uhr fängt der Himmel an aufzureissen und wir ziehen voller Tatendrang los.

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Martin stellt sich mit seinem Team gleich in der zweiten Anliegerkurve auf und macht sich für die Schiesserei bereit. Ich und Lisa in der gegnerischen Mannschaft schmeissen uns auf Kommando ohne aufzuwärmen oder irgendwie ins Feeling zu kommen über die ersten beiden Hüpfer und so schnell man eben traut in die Kurven. Es blitzt von allen Seiten und das Fotografenteam erzielt die erste Beute. Während dessen machen sich die Biker wieder auf den Weg zum Start.

So zog sich das den ganzen Nachmittag durch. Niemand auf der Strecke. Nur Lisa und ich die unermüdlich ihr Bestes geben und den Ansprüchen kaum gerecht werden können. Die Strecke ist äusserst ausgefahren und weisst einen rohen Charakter aus, was aber nicht die Abfahrten, sondern hauptsächlich die Aufstiege besonders anstrengend macht. Die Holzkonstruktionen sind in einem guten Zustand und lassen sich auch bei feuchten Bedingungen fahren. Lisa und ich lassen es aber mal locker angehen. Man fühlt sich durch die vielen Kameras und Blitze sowieso unter Druck gesetzt und versucht etwas Besonderes zu bieten. Jeder weiss, wie schnell sowas zu Unfällen führen kann.

Die Fotoheinis und das fliegende Kamel

Die Fotoheinis und das fliegende Kamel

Um die unersättlichen Fotografen zufriedenzustellen fuhren und gingen wir also gute drei, aber gefühlte sechs Stunden den Bikepark rauf und runter. Jede sehenswerte Anliegerkurve, jeden Wallride, jeden Table und alles dazwischen. Bei den Drops, den beiden Doubles und dem grossen Wallride geben wir jedoch klein bei. Bei dieser Witterung und im inzwischen doch ziemlich erschöpften Zustand ist es unklug, Grenzen auszuloten. Bei den von uns fahrbaren Hindernissen heisst es jodoch: „Guet. Nomal.“ Hm. Okay.

Lisa scheint nicht mehr zu mögen. Also alleine nochmal hoch und Anlauf holen. Ich mach mir bei dem Sprung zwar jedes Mal fast in die Hosen, aber das scheint keinen hier ernsthaft zu kümmern. Mit viel mehr Speed, als es mir lieb ist, fahre ich auf den Kicker zu. Jetzt nur keinen Scheiss machen. Absprung wieder gelungen? Gut. Kurz einen kleinen Trick andeuten und gleich weiter zur Landung. „Sehr guet. Nomal.“ Grummelgrummel… Kaum komme ich oben keuchend an, kommt von Martin bereits das Zeichen zum Losfahren. Beim nächsten Versuch bin ich logischerweise etwas zu schnell und komme ins Flat runter. Heilfroh, dass ich trotzdem sauber gelandet bin. Da kommt schon der naseweise Vorschlag von der Seite, ich solle doch noch den einen oder anderen Trick einbauen. Grummelgrummel..

Am Sonntag tauchen zum Glück noch andere Biker auf.

Am Sonntag tauchen zum Glück noch andere Biker auf.

 

Jedenfalls machen die Fotoheinis bei der anschliessenden Bildbetrachtung trotzdem ziemlich zufriedene Gesichter. Auch die Bike-Models haben trotz der offensichtlichen Anstrengungen ein riesiges Grinsen im Gesicht. So viele Fotos von sich selbst auf dem Bike sieht man nicht alle Tage. Jeder Moment festgehalten von mehreren Kameras aus mehreren Winkeln. Das steigert die Wahrscheinlichkeit von ein paar ausserordentlich schönen Aufnahmen natürlich enorm. Das eine oder andere Bild wird bestimmt an meiner Wand landen.

Völlig fertig und zufrieden quartieren wir uns im sehr empfehlenswerten Hotel Seeblick ein. Ein wahrhaft traumhafter Seeblick und erstklassige Bedienung. Familienbetrieb halt. Im günstigen Übernachtungspreis ist ein fettes Morgenessen inbegriffen. So starten wir den Sonntag gediegen und freuen uns über das schöne Wetter. Jan hat kurz ergoogelt, dass der Park heute geöffnet hat und somit stand einem erfolgreichen zweiten Tag nichts im Wege.

 Dropping in

Dropping in

 

Am Sonntag Vormittag gab es von Martin nochmals eine kurze Bildbetrachtung und einen Photoshop Crashkurs. Nachdem auch diese offenen Fragen geklärt waren, konnte es wieder auf die Bilderpirsch im Bikepark gehen. Auf dem Parkplatz der Seilbahn freute ich mich über die vielen anwesenden Biker. Es versprach ein weitaus weniger anstrengender Tag zu werden. Hehe.. Wie man sich täuschen kann.

Oben angekommen merke ich, dass es doch nur eine handvoll Bikeparkbesucher gibt und unter ihnen noch ein paar Anfänger, welche nicht wirklich zum Fotografieren geeignet sind. Also geht für Lisa und mich wieder das selbe Spiel los: Auf Kommando losfetzen, so schnell wie möglich wieder rauf und gleich wieder runterdonnern. Das geht nicht nur an die Konditions, sondern auch auf’s Gemüt. Zumal die fotografierenden Kameltreiber keine Gnade kennen. Nochmal, nochmal, nochmal. Schneller, höher und bitte mehr Action. Zum Glück tauchen ab und zu ein paar Fahrer mit wirklich guten Skills auf, denn mit der körperlichen Vorbelastung vom Vortag, werde ich es heute wohl nicht mehr lange machen.

 Keine Drei Meter. Sieht aber riesig aus. Perfekt.

Keine Drei Meter. Sieht aber riesig aus. Perfekt.

 

Einer meiner Landungen scheint wohl etwas ungünstig gewesen zu sein. Immer mehr und ohne wirklichen Grund fängt mein Nacken an zu schmerzen. Ich glaube, dass ich langsam das Alter spüre.. aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls erstreckt sich der Schmerz langsam auch über den Rücken und ich mache mal eine längere Pause. Ein Freund von Tobi und zwei andere Fahrer werden von den Fotografen in Beschlag genommen und vollgeblitzt. Man kann förmlich spüren, dass sie Blut geleckt haben. Aus allen Seiten blitzt es. Die Funkauslöser laufen heiss. Martin koordiniert sämtliche Knipser auf dem Feld und gibt kurze klare Anweisungen zu den Einstellungen und Techniken. Er selbst spielt lebendes Blitzstativ und Fokuspunkt. Eigentlich ziemlich amüsantes Bild.

Abgekühlt von der Pause, fange ich den Schmerz erst richtig an zu spüren. Noch ein paar kurze Shots und ich mach mich vom Acker. Mich lockt nur noch meine Badewanne. Die Fotoheinis knippsen mit den anderen Jungs fröhlich weiter und kriegen offenbar noch so einiges vor die Linse. Aber davon könnt ihr euch in der Fotogallerie ja selber überzeugen.

 Die gesammelte Mannschaft und der Poser

Die gesammelte Mannschaft und der Poser

 

Es war trotz kleiner Widrigkeiten wieder ein äusserst spassiger Kurs. Die Teilnehmer waren meiner Ansicht nach glücklich mit den Inhalten und dem Vorgehen. Auch untereinander haben wir uns prächtig verstanden und konnten gegenseitig aus den Fehlern und Entdeckungen lernen. Ich glaube jedenfalls, dass der Kurs den Vorstellungen genügen konnte. Martin hat seine Sache wieder perfekt gemacht und ein dickes Lob und ein grosses Dankeschön verdient. Danke Martin!

Die Bilder vom Kurs (LINK)

Link: http://www.bissig.ch

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

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Erstellt von am 17. September 2009