Boost: Einfach erklärt

Inzwischen hast du bestimmt auch schon vom neuen Naben-Standard „Boost 148“ gehört. Was ist das und was bedeutet das für dich? Mit den neuen Radgrössen und den neuen Reifengrössen (hört das den niemals auf?) kann das für Verwirrung sorgen. Hier deshalb ein paar aufklärende Worte:

Seit Anbeginn des Mountain Bike Sports, hatten Bikes Schnellspanner mit 110mm Abstand vorne und 135mm hinten. In den letzten Jahren, wurden die Schnellspanner von Steckachsen abgelöst. Steckachsen bieten mehr Steifigkeit und Reserven für grosse Sprünge, Lenkpräzision und eine verbesserte Kontrolle bei harten Manövern. An den meisten Bikes sieht man heute Steckachsen mit 15mm oder 20mm Durchmesser an der Front und 12mm am Hinterrad.

Mit der zunehmenden Popularität der Steckachsen, wurde ein neuer Standard entwickelt: 12x142mm. Diese haben die 135mm-Naben abgelöst, welcher für viele Jahre die Norm war. Aber es gibt einen wichtigen Aspekt, den man über diesen Standard wissen muss: Der Abstand zwischen den Dropouts (Achsaufnahme am Rahmen) hat sich nicht verändert. Lediglich die Achsaufnahmen wurden um je 3,5 mm pro Seite breiter, hauptsächlich um den Radeinbau zu erleichtern.

Die meisten Naben-Hersteller bieten auswechselbare Adapter an, um die Naben für 135mm und 142mm kompatibel zu halten. Während sich Rahmendesigns geändert haben, blieben die wichtigsten Kennzahlen der Naben unverändert.

boost 148 110
Der Grund für die neue Norm – flachere Speichenwinkel für mehr Steifikgkeit

Nun da wir etwas Hintergrundwissen zu diesen Grössenangaben haben, wird es Zeit die Radgrössen genauer zu studieren. Sämtliche Teile an einem Bike wurden für die 26″ Zoll Räder entwickelt und gebaut. Seit einiger Zeit haben wir aber auch 27.5″ und 29″ Räder, aber die Konstruktion der Naben blieben identisch. Mit grösseren Raddurchmessern, werden die Speichen länger – längere Speichen an den selben Naben, bedeuten steilere Winkel (siehe Bild oben).

Der Speichenwinkel ist der Winkel zwischen der Speiche und der Vertikalen (90° zum Boden). Grössere Speichenwinkel können seitlichen Kräften besser strotzen. Dies bedeutet, dass 27,5 und 29 Zoll Räder weniger steif sind, als 26″ Räder mit dem aktuellen Standard.

Einführung Boost 148 und Boost 110: Diese beiden Naben platzieren die Speichenaufnahme weiter aussen. Durch diese Massnahme, wird der Speichenwinkel flacher und bietet somit mehr Steifigkeit – das Verhältnis zwischen Speichenlänge und Winkel entspricht dem eines 26″-Rades – das ergibt die Steifigkeit eines 26 Zoll Rades an einem 29 Zöller. Boost 148 erhöht die Breite einer Nabe auf jeder Seite um 3mm, aber im Gegensatz zum Wechsel von 135mm auf 142mm, wird der Abstand innerhalb der Speichenaufnahme breiter. Durch die breiteren Aufnahmen, können übrigens auch die Rahmen etwas grosszügiger gestaltet werden, was den Einbau von breiteren Reifen ermöglicht (+Plus ahoi).

boost 148
12×142 ist der aktuelle Standard – 12×148 stellt Boost 148 dar

Boost 110 ist dasselbe für das Vorderrad, nutzt 15mm-Steckachsen und verbreitert die Speichenaufnahme auf jeder Seite um 5mm (im Vergleich zu 100mm-Achsen). Diese 5mm beeinflusst die Speichen in der selben Art, wie die 3mm am Hinterrad. Somit erreicht man auch da die Steifigkeitswerte von kleinen Rädern.

Jetzt wird’s kompliziert: Durch diese kleinen Anpassungen, müssen auch die Bremsscheibenaufnahme und der Freilauf verändert werden – alles bewegt sich ein wenig nach Aussen. Neue Federgabeln mit dem Boost 110-Standard werden auch diesen Anforderungen gerecht, darin unterscheidet sich der neue 110x15mm Standard von der bekannten 110x20mm Steckachse, diese haben die selben Einbaumasse wie die aktuellen 100x15mm Achsen.

SRAM-Boost-148-chainline-gfx

Die Neupositionierung der Bremsscheibe ist einfacher, als den Freilauf zu verschieben – denn beim Boost 148 wurde die Kettenlinie um 3mm verändert. Durch diese Verschiebung, muss auch das Kettenblatt nach aussen bewegt werden, um optimale Performance bieten zu können. Dies kann mit neuen Kurbelarmen erreicht werden – da Tretlager und Q-Faktor identisch bleiben sollen, ist es für Boost 148 unumgehbar, dass neue Kurbeln auf den Markt kommen müssen. SRAM hat die Umstellung durch neue Spiderarme erreicht.

Ein perfektes Beispiel hierfür ist die neue Shimano XT-Kurbeleinheit (M8000) für die 11-fach Gruppe. Shimano hat 1x, 2x und 3×11 für die M8000 ermöglicht, aber gleichzeitig auch den M8000 Boost 148 eingeführt. Daran kann man erkennen, dass beide Normen nebeneinander existieren – dies bedeutet, dass wir noch ein paar Jahre mit unseren Parts fahren können, ohne auf einen neuen Standard wechseln zu müssen.

 

Falls Du also in nächster Zeit ein neues Bike mit 650b oder 29 Zoll Rädern kaufen möchtest, ist die Boost-Option sicherlich in Erwägung zu ziehen. Falls Du jedoch bereits ein geiles Bike besitzt, musst du dir keine Sorgen machen und wirst noch länger Teile für deine Einbaumasse finden. Abwärtskompatibel ist das System leider nicht.

Quellenangabe: reviews.mtbr.com/tech-talk-boost-148-explained

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

8 Gedanken zu “Boost: Einfach erklärt”