Einer der wichtigsten Aspekte von Actionfotos ist die Schärfe. Es kann alles noch so perfekt sein – ist der Fahrer nicht scharf abgebildet, hat das Bild meistens nur noch persönlichen Wert. Nachfolgend deshalb ein paar grundlegende Anregungen, wie Du mehr Schärfe in Deine Fotos bekommst.

Der Artikel richtet sich an Anfänger mit einer gewissen Erfahrung mit Spiegelreflex Kameras. Die Tipps sind aber allgemein gültig und sicherlich auch für Biker mit Kompaktkameras nützlich. Hier findest Du ein paar Infos zu den Grundlagen der Bike Fotografie.

Grundsätze

Die Schärfe in einem Bild wird unterschiedlich wahrgenommen. Es ist ein Schärfeeindruck und keine messbare Einheit. Eher ein Gefühl, welches durch eine hohe Anzahl an Bildinformationen hervorgerufen wird. Detailreichtum ist damit gemeint – nicht scharfe Kanten. Ein Foto kann viel Detailreichtum auch ohne eine hohe Kantenschärfe aufweisen. Deshalb sollte Dir bewusst sein, dass der Schärfeeindruck nicht durch scharfe Übergänge von hellen zu dunklen Farbbereichen entsteht, sondern durch viele Details und umfangreiche Kontraste.

Die Erwartungshaltung spielt dabei eine grosse Rolle: Sieht der Betrachter Details, die er nicht kannte oder nicht erwartet hat, empfindet er das Bild als scharf. Sieht er weniger Details als erwartet, wird es als unscharf wahrgenommen. Beispiel: Jeder weiss, dass eine Wiese aus Millionen von Grashalmen besteht – kann man diese auf dem Foto nicht erkennen, wirkt es unscharf. Das selbe gilt bei der Sportfotografie: Kannst Du dem Betrachter Details bieten, die er nicht kennt oder zumindest nicht erwartet, dann erhöht sich der Schärfeeindruck.

Dein Ziel sollte es demnach sein, den gesamten Schärfeeindruck Deiner Fotos zu erhöhen. Durch mehr Details, mehr Kontraste und dem Spiel zwischen Schärfe und Unschärfe wird Dir das sicherlich gelingen. Behalte das im Hinterkopf, denn ich werde mich im weiteren Verlauf auf technische Aspekte beschränken.

Deine brennende Frage ist bestimmt: Wie bekomme ich den Fahrer scharf? Die Antwort lässt sich schlecht in einen Satz fassen, weil es von vielen Faktoren abhängt: Eine gute Linse, gute Bedingungen, hochwertige Ausstattung, Bildaufbau, Erfahrung und Know-How – jeder dieser Punkte hat einen Einfluss auf den Schärfeeindruck eines Bildes. Es gilt das Prinzip des schwächsten Gliedes: Eine gute Kamera kann nicht alle Details wiedergeben, wenn die Optik diese nicht auf den Sensor transportiert. Eine scharfe Linse ergibt kein scharfes Foto, wenn der Fotograf die Einstellungen versaut.

Eine kleine Warnung an Anfänger: Wenn man sich in ein solches Thema verbeisst, kann man manchmal den Überblick verlieren. Krampfhaft der Schärfe nachzuspringen ist kontraproduktiv – der Fotograf verliert durch die Ablenkung der technischen Aspekte schnell den Blick fürs Wesentliche: Wofür ist ein scharfes Bild gut, wenn der Bildinhalt uninteressant ist? Kreativität -> Know-How -> Umsetzung – aber dazu mehr in meinem nächsten Bericht zum Thema.

Know-How

Deine Kamera zu kennen, ist eine wichtige Voraussetzung. Was macht sie? Warum macht sie das? Wie kannst Du Einfluss nehmen? Wie erzielst Du einen gewünschten Effekt? Dazu nochmal der Link zu unserem 1-mal-1 und der Tipp: Üben, üben, üben – bis alle Handgriffe sitzen. Es muss Dir wohl sein mit Deiner Kamera. Versteht sich hoffentlich von selbst, dass Automatikprogramme tabu sind.

Setze Dich mit der Materie der Fotografie auseinander. Erst mit dem Verständnis von Licht und Schatten, vom Zusammenspiel der Farben, der menschlichen Wahrnehmung und der künstlerischen Aspekte, bekommt man ein ganzheitliches Bild. Sehr komplexe Themen, welche man nur mit viel Selbststudium erlernen kann.

Noch mehr lernen: Nicht zuletzt ist bei der digitalen Fotografie die Bildbearbeitung ein wichtiger Bestandteil. Was aus der Kamera kommt, ist auch bei den besten Einstellungen weit entfernt von optimal. Je besser man mit Photoshop und Lightroom umgehen kann, desto besser werden die Resultate.

Bewegungsunschärfe eliminieren

Um die Bewegungsunschärfe eines Bikers möglichst gering zu halten, muss man mit kurzen Belichtungszeiten arbeiten. Ein Biker von der Seite fotografiert, kann auch mit einer Belichtungszeit von einer Fünfhundertstel Sekunde noch Bewegungsunschärfe aufweisen. Auf der sicheren Seite ist man ab einer Tausendstel Sekunde. Dazu braucht man viel Licht und/oder eine hohe Lichtempfindlichkeit (ISO). Letzteres kann man sich nur mit teuren Kameras erkaufen, aber mehr Licht bekommt man mit helleren Objektiven oder Blitzen. Bei schönem Wetter auf offenem Gelände muss man sich darüber keine Sorgen machen – beim Biken ist man jedoch auch oft im Wald oder bei weniger gutem Wetter unterwegs.

Praxistipp:

  • Bist Du auf dem Sprung und willst nur kurz das eine Foto schiessen? Dann stell Deine Kamera auf Belichtungszeit-Automatik (finde heraus, wie Du das machen kannst), dann kannst Du einfach die gewünschte Verschlusszeit einstellen und der Rest regelt sich von selbst.
  • Man tendiert gerne dazu, die Bewegungsunschärfe immer komplett zu eliminieren (Relativ einfach mit Verschlusszeiten von weniger als einer Tausendstel Sekunde. Beim Betrachter kommt eine gewisse Unschärfe jedoch gut an, wenn es das Tempo vermittelt. Es spricht nichts dagegen, eine gewisse Unschärfe gewollt als Effekt einzusetzen. Wie soll man sehen können, dass es ein wilder Ritt war, wenn alles im Bild eingefroren und unbeweglich wirkt? Hier gilt es die Balance zu finden.

Fokus

Heutige Kameras fokussieren von alleine, das stimmt schon. Aber wenn Du nicht besonders gutes Material besitzt, wird Deine Ausrüstung beim Biken an ihre Grenzen stossen. Nicht jede Kamera schafft es, einem Biker im dunklen Wald mit Highspeed zu folgen.
Da gibt es gewisse Mittel dagegen: Ein helles Objektiv (mit grosser Blende) und schnellem Autofokus oder die Vorfokussierung. Beim vorfokussieren stellt man seine Kamera bereits für die gewünschte Aufnahme ein und wartet, bis der Fahrer in den Fokusbereich fährt – das geht sogar mit alten, manuell betriebenen Objektiven, welche man für wenig Geld bekommt. Zur Sicherheit kann man die Blende auch ein wenig schliessen, um einen grösseren Schärfebereich zu erhalten.

Autofokus Messfeld? Aktiv ist bei mir meistens nur das mittlere Messfeld. Beim Biken weiss ich, was ich im Fokus behalten möchte und so habe ich die volle Kontrolle darüber.

Macht Deine Kamera viele Bilder in der Sekunde? Dann nutze diese Funktion. Der Ausschuss wird zwar grösser und die Bearbeitungszeit länger, aber die Chance ein wirklich gelungenes Foto zu schiessen erhöht sich ebenfalls. Es ist nicht leicht, immer den Höhepunkt der Action zu erwischen, manchmal geschieht eine halbe Sekunde danach etwas viel Spannenderes.. Im Burst-Mode hast Du das im Kasten, auch wenn das nur 3 Bilder sein sollten.

Praxistipp: Kommt der Fahrer auf Dich zu, geht nichts über einen schnellen Autofokus – fährt der Fahrer jedoch an Dir vorbei, kannst Du ihm mit der Kamera folgen und erleichterst ihr somit die Arbeit. Mit viel Übung lernt man Geschwindigkeiten besser einzuschätzen und die Motorik wird von mal zu mal besser. Zum Experimentieren eignen sich da vorbeifahrende Fahrzeuge auf der Strasse.

Kamera

Die Wichtigkeit des Kamerabodies wird oft überbewertet, jedenfalls was DSLRs angeht. Sicherlich ist eine kurze Verschlusszeit nötig, aber das bieten heute sämtliche Hersteller bis mindestens 1/2000s auch bei Kompaktkameras an. Hohe ISO Werte mit geringem Rauschen sind ebenfalls wünschenswert, damit man die Belichtungszeiten frei wählen kann. Eine der wenigen Vorteile, die ein teurer Body bieten kann, sind schnelle Serien-Aufnahmen – diese sind beim Sport von Vorteil, aber nicht zwingend. 35 Megapixel? Das ist toll, wenn man croppen möchte. Aber ansonsten bringt es nicht viel, ausser man will die Fotos entsprechend gross ausdrucken. Die Auflösung spielt eine Rolle, keine Frage. Aber ab 10 Megapixel ist man da längst auf der sicheren Seite.

Praxistipp: Lieber eine ältere hochwertige Kamera aus zweiter Hand kaufen, als das neuste Mittelklassemodell. Die wichtigsten Aspekte sind hohe ISO-Werte und Anzahl Serienbilder pro Sekunde. Diese Qualitätsmerkmale erfüllen auch ältere Kameras.
Besitzt Du eine Kompaktkamera? Dann gilt auch dort zu beachten, dass man auf automatische Einstellungen verzichtet – diese können die Komplexität des Sports nicht erfassen und ergeben auch mit einer guten Kamera unbefriedigende oder zufällige Resultate.

Objektive

Mit Sicherheit das wichtigste Kriterium für ein scharfes Bild. Viele Eigenschaften des Lichts kann man auf seinem Weg von der Linse zum Computerbildschirm manipulieren – die Farbe, den Bildaufbau, den kompletten Hintergrund und wenn man möchte, kann man sogar Dinge hinzufügen. Was man nur bedingt zustande bringt, ist die Schärfe des Motivs nachträglich zu erhöhen. Man kann die Kanten schärfer darstellen, aber nachträglich mehr Details hinzufügen wird schwer.

Keine Kamerakomponente hat einen grösseren Einfluss auf das Resultat, als das Objektiv. Es erfasst das Licht, bündelt es auf vielfältige Weise und bringt es im Optimalfall besser auf den Sensor, als es das menschliche Auge sieht.

Was ist also beim Objektiv zu beachten?

  • Eine möglichst grosse Blende bringt viel Licht auf den Sensor und die Kamera kann somit besser fokussieren. Für die Sportfotografie bedeutet das eine Blende von maximal f4, was in schweren Lichtsituationen bereits ungünstig sein kann.
  • Ein schneller Autofokus sorgt für mehr Treffsicherheit.
  • Eine hohe Grundschärfe des Objektivs ist unumgänglich. Wenn Du preislich gebunden bist, dann ist eine scharfe Festbrennweite einem günstigen Zoomobjektiv vorzuziehen. Festbrennweiten bringen konstruktionsbedingt einige Vorteile in der Bildqualität, sind oft leichter und günstiger. Der fehlende Zoom wird durch Laufen ersetzt – daraus ergeben sich meistens interessantere Bildausschnitte.

Hilfsmittel

Sonnenblende: Meistens als unnötige Gratisbeilage zu den Objektiven angesehen, hilft die Gegenlichtblende enorm, was Abbildungsleistung, Streulicht und Fokus-Genauigkeit betrifft. Bei viel Licht unbedingt zu empfehlen. Noch wichtiger als die Sonnenblende: Saubere Linsen.

Stativ: Bei so kurzen Verschlusszeiten wie beim Biken ist ein Stativ nicht unbedingt notwendig, bringt bei wenig Licht jedoch Vorteile und unterstützt die Autofokusfunktion. Für die Sportfotografie eignet sich da im Grunde nur ein Einbeinstativ, da es leichter und handlicher als herkömmliche Stative ist.

Bildstabilisator: Sportfotografen empfehlen im allgemeinen den Bildstabilisator abzuschalten, da es bei schnellen Bewegungen und Motivwechseln zu Störungen führen kann und der Autofokus systembedingt langsamer arbeitet.

Blitz: Ein Blitz verhilft zu mehr Licht und das ist für mehr Schärfe äusserst wünschenswert. Es ersetzt so manches teures Objektiv und kann Effekte erzielen, die ohne Blitz gar nicht möglich sind. Optimalerweise setzt man mehrere entfesselte (entfernte) Blitze ein – diese erleichtern das Fotografieren enorm, aber beschweren das Budget und das Gepäck. Den eingebauten Blitz auf Deiner Kamera solltest Du vermeiden, da er sich beim Biken aufgrund der schwachen Leistung eher negativ auswirkt – meistens kann man bei diesen Blitzen auch keine Highspeed Synchronisation einstellen, was für die kurzen Verschlusszeiten beim Sport notwendig wäre.

Bildbearbeitung: Du hast den Schärfefilter in Deinem Bildbearbeitungstool bestimmt auch schon entdeckt. Bis zu einem gewissen Grad kann er Details konturenreicher darstellen, aber er kann keine Wunder vollbringen. Den Schärferegler auf 100% zu stellen bringt nichts, wenn das Objekt keine Details aufweist. Im Gegenteil: Es führt zu unschönen Rändern und lässt das Bild unecht erscheinen.

Abblenden: Hast Du Probleme mit dem fokussieren von Objekten oder generell mit der Schärfeleistung? Dann versuch es mal mit einer kleineren Blende. Da dadurch eine grössere Schärfentiefe erreicht wird, ist die Chance grösser, den Biker in diesem Bereich zu erwischen.

Es gibt noch soooo viele Faktoren, welche grossen Einfluss auf Deine Resultate haben, aber irgendwo muss man ja anfangen. Hier noch eine kleine Übersicht über weitere Einflussbereiche.

Ich bin kein Profi und das sind auch keine Regeln. Es sind lediglich Erfahrungen aus meinen mehr als zehn Jahren hobbymässiger Bikefotografie und unseren Fotokursen mit Martin Bissig.

Ich hoffe, dass ich Dir ein paar Anregungen geben konnte, um mehr Schärfe in Deine Bilder zu bekommen.

Alles klar? Dann geht’s einen Schritt weiter: Bike Fotografie – Inhalt und Bildwirkung

 

Fragen? Anregungen? Dann hinterlasse bitte einen Kommentar.

 

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

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Erstellt von am 26. Januar 2015