Eine Gruppe von Sportwissenschaftlern aus England hat sich in einer Untersuchung mit unserem Sport auseinandergesetzt. Viele Studien über Sport und Fitness im Bikesektor werden über Rennvelo- und Crosscountry Fahrer gemacht. Abhandlungen über die Auswirkungen von körperlicher Fitness und deren Einfluss auf das Biken im Gelände gibt es wenige.

Die Wissenschaftler des International Journal of Sports Physiology and Performance (IJSPP) haben vier Studien durchgeführt und die jeweiligen Resultate untereinander verglichen, um die wichtigsten Faktoren für mehr Ausdauer und Geschwindigkeit zu isolieren.

Downhill Speed

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Die Studien

Die erste Untersuchung nannte sich „Identifizierung der Faktoren für mehr Speed beim Downhill“. Ein Downhill-Team Manager, ein Team-Mechaniker, vier Elitefahrer und ein Sportwissenschaftler erstellten eine Liste mit den einflussreichsten Faktoren und 50 Downhill Rennfahrer haben die Faktoren bewertet.

Das Ziel der zweiten Untersuchung war es, einen Massstab für die Quantifizierung von Fahrkönnen zu finden. Sie erstellten eine Liste mit Skills und deren Wichtigkeit. Daraufhin haben sie die Skills von unbekannten Downhillfahrern aufgrund von 50-sekündigen Videos mit dieser Liste bewertet und mit danach mit den erzielten Resultaten verglichen, um den jeweiligen Auswirkungsgrad zu ermitteln.

Bei der dritten Untersuchung waren sie vor Ort an einem nationalen Downhillrennen und untersuchten Athleten in verschiedenen Altersklassen mit Standardtests wie: Aerobe und anaerobe Kapazitäten, Skill-Levels mittels Video-Analyse, Selbstbewusstsein mittels Umfragebogen, etc.

Der vierte Test ging hauptsächlich auf die Suche nach den Auswirkungen der Ausdauer auf die Geschwindigkeit.

Die Resultate

Studie 1: Wichtigster Faktor für mehr Speed ist das Fahrkönnen. Gefolgt von Selbstbewusstsein, Ausdauer (vo2max) und Bike Setup. Das ist für die Meisten bestimmt keine Überraschung.

Studie 2: Eine Liste von Faktoren wurde erstellt, welche Fahrer und Wissenschaftler im gleichen Masse bewertet haben. Diese Faktoren wurden benutzt, um die Fahrer in den letzten beiden Studien zu bewerten.

Studie 3: Diese Studie brachte eine ziemlich grosse Überraschung hervor.

Weder die körperliche Ausdauer, noch das Selbstbewusstsein hatten grosse Auswirkungen auf die Performance auf diesem Niveau. Viel weiter vorne landete ein komplett unterschätztes Kriterium: Die Kraft in den Händen (Hand-Grip Endurance). Nach dem Fahrkönnen nachweislich der wichtigste Einflussfaktor für mehr Speed.

Studie 4: Auch hier wurden keine signifikanten Auswirkungen der Ausdauer auf den Speed gefunden, aber erneut festgestellt, dass die Ausdauer in den Händen sehr wohl eine messbare Auswirkung auf das Tempo und die Gesamtleistung hat.

Am Ende dieser Studien stellten die Wissenschaftler fest, dass Fahrkönnen und Hand-Grip Endurance zusammen 73% der Zeitunterschiede begründeten. Es waren die einzigen Faktoren, welche einen deutlichen Einfluss auf das Tempo und die Ausdauer hatten. Dies wurde in zwei der gemachten Studien bestätigt.

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Muskelapparat, Ausdauer, Können, Kraft – Viele Faktoren machen Dich schneller

Fazit

Die einflussreichsten Faktoren für mehr Speed und Ausdauer, welche aus der Studie hervorgehen:

1. Fahrkönnen – Viel Fahren, aktiv an der eigenen Technik arbeiten.

2. Hand-Grip Endurance: Ein unterschätzter Punkt, welcher schnell und einfach zu mehr Speed und Ausdauer führt.

3. Selbsstbewusstsein: Dieser Punkt konnte von den Wissenschaftlern nicht bestätigt werden, wurde aber vom Grossteil der Fahrer als wichtig erachtet.

Dabei zu beachten ist sicherlich, dass die Studie bei Downhill-Racern durchgeführt wurde. Das Fitness-Level dieser Fahrer ist sehr hoch. Da kann es natürlich sehr gut sein, dass die Fitness einen kleineren Einfluss hat. Bei Hobby-Fahrern sind da die Unterschiede sehr viel grösser. Ein gewisses Grundlevel an Ausdauer wird also erwartet.

Liegestützen sind auch gut für mehr Kraft in den Händen

Fitness ist so oder so gut – richtig angewendet ist es effizienter

Du willst schneller sein auf Deinem Bike? Du willst mehrere Abfahrten an einem Tag machen können oder sogar mal einen Bahnentour hinter Dich bringen? Dazu braucht es sicherlich keine teuren Upgrades auf Deinem Bike: Mit ein paar Minuten Hand-Training täglich erreichst Du mehr, als mit vielen Einheiten auf dem Rennvelo oder im Fitness-Center. ACHTUNG: Es ist wichtig, welche Art von Aufbautraining man für die Hände betreibt. Ein  Gyrotwister/Powerball beispielsweise ist kontraproduktiv, da wir einen soliden festen Griff am Lenker brauchen und solche Bälle die Handkraft bei Bewegungen fördern (siehe Video)

Kein Grund das Konditions-Training aufzugeben oder nicht mehr ins Fitness Center zu gehen: Ausdauer und Fitness helfen auf dem Bike, wenn auch nicht in Bezug auf den Speed. Das Verletzungsrisiko sinkt mit einem intakten Muskelapparat und mit genügen Puste hat man auch auf längeren Touren noch Reserven und mehr Spass. Aber vergesst dabei eure Hände nicht: Der fitteste Körper bringt wenig, wenn man die Kraft nicht aufs Bike bringt.

Der komplette Artikel auf englisch

 

Hast Du dazu Fragen? Oder eigene Tipps? Dann her damit in den Kommentaren!

 

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

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Erstellt von am 1. Juni 2015