Hier möchten wir die grundlegenden Weisheiten zum Thema Mountainbike Freeride auflisten. Es soll den wichtigsten Einstiegspunkt für einen ambitionierten Anfänger bilden, welcher sein Know-How auf Vordermann bringen möchte. Bestimmt kann man auch als Fortgeschrittener Biker ein paar Tipps & Tricks aufschnappen, welche man normalerweise mit viel Aufwand, Kraft oder Geld in einem langwierigen Trial-and-Error Verfahren selbst erlernen muss.

Die folgenden Themen sind ein erster Wurf. Hoffen wir mal, dass noch einiges zusammenkommt…

Vorneweg gleich mal eine Auflistung der Themen:


Kleidung

Funktionskleidung

Hochwertige Outdoorbekleidung aus atmungsaktiven Materialien. Oft teuer, aber immer sinnvoll. Solche Kleidungsstücke sind kein Luxus, sondern ein absolutes Muss für alle, die das Biken mit Spass betreiben wollen.

Grösstes Vorurteil: Diese Dinger sind nur teuer und den Mehrpreis nicht wert.

Vorteile: Bestehen aus mehreren auf einander abgestimmten Schichten, welche die Feuchtigkeit vom Körper weghalten und wegtransportieren. Die Materialien saugen Feuchtigkeit weniger auf und trocknen viel schneller als herkömmliche Baumwolle. Ausserdem ist die Lebensdauer dieser Kleidungsstücke um einiges höher, was die Kosten wiederum relativiert.

Nachteile: Furchtbar teuer und daher mit einer hohen Einstiegsschwelle behaftet. Wer jedoch das erste mal grinsend auf dem Gipfel steht, während sich andere daneben den Arsch abfrieren, kommt davon nicht mehr weg.

Gepolsterte Bikehosen

Bikeunterhosen mit gepolsterten Sitzkissen im Schambereich. Von Freeridern oft als „schwul“ und unbequem abgetan, inzwischen bei den meisten Markenhosen jedoch Standart.

Vorteile: Die Fortpflanzungsorgane schlafen nicht ständig ein und mann muss in Zukunft nicht auf Nachkommen verzichten oder mit der bei Bikern weit verbreiteten Impotenz rechnen.

Nachteile: Beim Laufen und Stehen sind sie wirklich nicht so bequem wie normale Unterwäsche.

Mountainbike Schuhe

Da gibt’s von uns nur eine Empfehlung: FiveTen. Mountainbike-Schuhe mit Sohlen aus speziellem viskoelastischem Gummimaterial genannt Stealth Rubber aus dem Klettersport (siehe auch Erfahrungsbericht: Five.Ten – Best for Biking)

Vorteile: Die Haftung dieser Sohle ist unbestritten das Non-Plus-Ultra. Auf einem Mountainbike-Pedal mit anständigen Pins ist ein verrutschen praktisch undenkbar.

Nachteile: Einige Biker bemängeln, dass die Haftung so hoch ist, dass man den Fuss auf dem Pedal kaum noch umpositionieren kann, wenn er mal abgesetzt ist.

Integralhelm

Sturzhelm mit geschlossener Kinnpartie. Im Bikepark und schnellen Abfahrten Pflicht. Aber beim Freeriden kann er auch hinderlich sein..

Grösstes Vorurteil: „Damit kann mir nichts mehr passieren.“ Es ist sehr vorbildlich, mit einer ausreichenden Schutzausrüstung unterwegs zu sein. Vor Verletzungen bewahrt es einen jedoch nicht in jedem Fall.

Vorteile: Absolut bester Schutz für den Kopf und das Gesicht im Speziellen.

Nachteile: Bei engen technischen Freeride-Abfahrten kann ein Integralhelm auch störend wirken, da man nur ein begrenztes Sichtfeld hat. An heissen Tagen ist die Belüftung der Downhillhelme manchmal unzureichend.


Technik

Bremsen einstellen

Für die korrekte Einstellung der Bremsen haben wir ein eigenes Tutorial geschrieben: Bremsen korrekt einstellen

Dennoch ein paar grundlegende Tipps zusätzlich:

  • Bremsbeläge wechseln: Wenn die Bremsen plötzlich metallische Schleifgeräusche von sich geben, ist der Bremsbelag womöglich aufgebraucht und die Sicherheitsstifte schleifen an den Bremsscheiben. Dieses Geräusch darf nicht ignoriert werden, ansonsten leidet die Bremsscheibe. Sofort die Bremsbeläge austauschen.
  • Bremsen entlüften: Wenn sich nach langen Abfahrten der Druckpunkt verhärtet (für die selbe Bremsleistung wird mehr Kraft benötigt) oder der Druckpunkt komplett verschwindet, nachdem man das Bike auf den Kopf gestellt hat, dann befindet sich Luft im System und die Bremsen müssen entlüftet werden (Anleitung zum Entlüften von Shimano-Bremsen)

 

Kompatibilität von Bremsscheiben

Immer wieder kommen Biker auf unsere Seite mit der Frage: Kann ich Avid-Bremsscheiben auch bei Shimano Bremsen einsetzen und umgekehrt?

Da spricht nichts dagegen, solange die Grösse der Scheibe identisch ist. Man kann also jede Bremse mit jeder Scheibe fahren, solange die Grösse der Scheibe mit dem Adapter der Bremsaufnahme identisch ist (203mm Scheibe mit 203-Bremsadapter, 180mm Scheibe mit 180mm-Bremsadapter etc.)

ACHTUNG: Scheiben für Resin-Bremsbeläge (organisch) sollten nicht mit Sinter-Belägen (metallischen) gefahren werden. Mehr Infos zu Bremsbelägen findest Du hier

Federungseinstellung

Viele lassen ihre Federgabel und den Dämpfer beim Kauf auf sich einstellen (wenn überhaupt) und das wars dann mit dem Thema. Dazu gibt’s nur eines zu sagen: Eine schlecht eingestellte Federung ist schlimmer, als keine Federung. (Unser Artikel Perfekte Federungseinstellung setzt sich eingehend mit dem Thema auseinander)

Grösstes Vorurteil: „Das ist viel zu kompliziert.“
Die meisten Gabeln und Dämpfer haben genau 2 Einstellräder. Sobald man weiss, wofür die sind, gibt es eigentlich keine Hindernisse mehr..

Vorteile: Wer sich mit seiner Gabel und seinem Dämpfer auskennt, kann sein Fahrwerk jederzeit auf die aktuellen Verhältnisse anpassen und holt mehr Fahrspass aus seinem Bike. Wer seine Federelemente ausserdem noch regelmässig wartet, kann sich lange Zeit über gute Performance freuen.

Nachteile: Man neigt dazu, das Beste aus seinen Federelementen rauszukitzeln und wird mit der Zeit unter Umständen ein wenig pedantisch und gibt sich nicht mit Kompromissen zufrieden.

Klickpedale

Schuh- und Pedal-Kombination mit mechanischer Einrastfunktion (Click-Pedale, Clickies). Das System löst sich wieder mit einem Dreh des Fusses um wenige Grad. Eigentlich nur noch im CC- und Downhillsport anzutreffen, da dort die Vorteile optimal genutzt werden können.

Vorteile: Bike und Fahrer bilden eine geschlossenere Einheit. Beim Hochfahren kann man runder treten, was Muskelkraft und Kondition spart. Beim Downhillen muss man sich nicht darauf konzentrieren, die Spannung auf dem Bike aufrechtzuhalten damit man nicht vom Pedal rutscht.

Nachteile: Man ist halt immer ans Pedal gebunden und kann weniger schnell die Füsse von den Pedalen nehmen und umgekehrt. Dies führt vorallem bei Anfängern zu einem unguten Gefühl und weniger Beweglichkeit auf dem Bike.

Lenkerhöhe

Gemeint ist die absolute Höhe des Lenkers im Vergleich zu den restlichen geometrischen Punkten am Bike, wie Sattelhöhe oder Tretlagerhöhe. Die Höhe lässt sich durch die Lenkerkrümmung, den Vorbau, Unterlagsringe am Steuerrohr oder eine andere Einbauhöhe der Gabel anpassen.

Vorteile: Eine niedrige Lenkerhöhe unterstützt ein agressives Fahren, da der Schwerpunkt tiefer ist und man mehr Druck auf das Vorderrad bringen kann. Ein hoher Lenker ist für Anfänger sinnvoll, da es das Überschlagsgefühl bei Steilstücken mindert.

Nachteile: Ein niedriger Lenker ist beim Berg hochfahren suboptimal, da man sich mit dem Oberkörper weit nach vorne beugen muss. Bei einem zu tiefen Lenker neigt das Vorderrad dazu aus Kurven auszubrechen, da zuviel Druck ausgeübt wird.

Tretlagerhöhe

Je höher das Tretlager, desto mehr Freiraum zwischen Kettenblatt und Boden. Der Standard liegt bei ungefähr 36 cm. Messt es bei euch aus und falls ihr die Möglichkeit habt, ändert es doch einfach mal.

Vorteile: Man rollt bei höherem Tretlager einfacher über Absätze und grosse Steine und bleibt weniger hängen. Mit einem tiefen Tretlager hat man einen tieferen Schwerpunkt und kommt dadurch leichter durch Kurven und hat ein allgemein gutmütigeres Handling.

Nachteile: Der Schwerpunkt des Bikes wandert bei hohem Tretlager nach oben. Dies beeinflusst vorallem das Kurvenfahren negativ.

Tubeless

Beim Tubeless System geht es in erster Linie darum, dass man den Schlauch im Laufrad weglassen kann, da eine Dichtmilch im Zusammenhang mit einem luftdichten Felgenband das System vor Luftverlust bewahren.

Vorteile: Mehr Grip, weniger Platten und viele weitere Vorteile, welche man hier nachlesen kann:

Weniger ist mehr: Tubeless

Tubeless: Pro und Contra

Nachteile: Etwas mehr Aufwand ist bisher der einzige Nachteil, den wir finden konnten.

Weitere Geometrieaspekte

Wir haben ein Tutorial über die wichtigsten geometrischen Aspekte beim Bike geschrieben: Lenkwinkel, Sitzwinkel, Reach und viele weitere Infos: MTB Geometrie ist keine Quantenphysik

Viel Federweg

Wird oft überbewertet. Mit einem zu soften Bike wird man träge und mutiert zum Passagier. Nur mit einem ’spritzigen‘ Fahrwerk kann man lernen seine Kräfte korrekt einzusetzen und hat sofortiges Feedback vom Untergrund, was Fahrspass und Fahrkönnen erhöht.

Grösstes Vorurteil: Mit viel Federweg ist man schneller und sicherer unterwegs.

Vorteile: Viel Federweg verzeiht viel und bietet viel Spielraum bei Fehlern. Man kann viel höhere Geschwindigkeiten fahren, ohne die Kontrolle zu verlieren. Vorallem Anfängern ist die Fahrt auf einem richtigen Downhiller für mindestens einen Tag sehr ans Herz zu legen, da es aufzeigt was möglich ist und dadurch die eigenen Grenzen erweitert.

Nachteile: Durch die übermässigen Reserven und das mangelnde Feedback vom Untergrund neigt der ambitionierte Anfänger mit viel Federweg auf technischen Trails zu einer suboptimalen Linienwahl. Versierte Fahrer erleben mit zu viel Federweg oft Langeweile auf dem Trail, was meistens mit mehr Speed und Risikobereitschaft überkompensiert wird. An dieser Stelle lohnt sich vielleicht wieder mal die Lektüre Mit Sicherheit mehr Spass.


Fahrtechnik

Flow

Mit Flow ist nicht ein flüssiger Trail oder eine flüssige Fahrweise gemeint, sondern viel mehr der Zustand den man erfährt, wenn Anforderung und Können in der Balance liegen. Wer nicht weiss, was Flow bedeutet, kann dies gerne in unserem Artikel nachlesen: http://www.flowzone.ch/news/32/flow

Vorteile: Wer sich beim Biken nicht übernimmt, aber auch nicht langweilt, erreicht einen Zustand den man gemeinhin als „Flow“ bezeichnet. Mehr Spass, mehr Kontrolle und mehr körpereigene Drogen wie Adrenalin und Endorphin.

Nachteile: Wer zu sehr nach Flow strebt, geht meistens zu hohe Risiken ein und ist dadurch überfordert. Wer einfach nur drauflos fährt, ist meist unterfordert und erlebt keinen ausserordentlichen Gemütszustand, ausser Langeweile.

Snowbiken

Viele Freerider hängen das Bike im Winter an den Nagel aus dem Irrglauben heraus, dass es zu kalt und zu rutschig zum Biken ist. Dabei hat gerade die kalte Jahreszeit gewisse Vorzüge, welche man den Rest des Jahres vermisst.

Grösstes Vorurteil: Die Trails sind im Winter mit viel Schnee nicht mehr fahrbar.

Vorteile: Die Temperaturen sind fürs Hochfahren viel angenehmer, da man weniger schwitzt. Man kann auf dem Trail mehr riskieren, da Stürze im Schnee viel ungefährlicher sind. Es sind viel weniger Leute im Wald und auf den Trails unterwegs. Es macht einfach verdammt viel Spass und fördert die Fahrtechnik.

Nachteile: Ohne entsprechendes Aufwärmen besteht erhöhte Verletzungsgefahr. Mit unzureichender Ausrüstung (siehe Funktionskleidung) drohen Erkältungen.

To be continued…

Das wars mal fürs Erste von unserer Seite. Nun würden wir uns sehr über deine Meinung und deinen Input freuen. Was denkst Du über Schutzbekleidung? Kennst du weitere Tipps, welche speziell beim Freeriden nützlich sind? Dann hinterlasse bitte einen Kommentar.

 

Author: flowzone

riding passion switzerland
flowzone is all about mountain biking

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Erstellt von am 4. April 2011