Reisebericht von einem dreiwöchigen Freeride Roadtrip durch British Columbia, Kanada. Von Jan Kiefer:

Januar. Die Frage, wohin es dieses Jahr mal ein paar Wochen zum Biken gehen sollte, war schnell beantwortet: Wie wär’s mit Kanada? Au ja, da wollte ich ja immer mal hin.

Die Frage des Zeitpunktes war ebenfalls schnell beantwortet: vor September gab’s keinen Urlaub. Naja, also 3 Wochen Kanada im Herbst. Flug gebucht, Camper gebucht – die 3 letzten Wochen im September – prima – nur noch verdammt lange hin. Und eigene Bikes werden dieses Jahr mitgenommen, denn Leihbikes wollen wir uns nicht mehr antun.

August.
 Wir haben noch keinen Plan wohin eigentlich, also wurde dank Google Maps und Tipps von Kollegen sowie Internetrecherche ein grober Überblick verschafft, was zu besuchende Stationen und was nicht, einige Parks haben leider schon zu im September, sein könnten. Eine grobe Liste entsteht: Whistler, Silver Star (die einzigen Bikeparks die noch offen waren), auf dem Weg liegt Squamish, Pemberton, Kamloops. Dann gabs noch Penticton, Kelowna und Rossland & Nelson (da müsst ihr unbedingt hin…) ok. Hm? 3 Wochen insgesamt. Naja, mal sehen, was passt…

September.
 Endlich sind unsere evoc Bike Travelbags da und wir möchten die Bikes verpacken. Beim letzten zwei-Tage-vor-Abflug-Check fällt auf: Felge gerissen, Mist. Hm. Zum Glück hat ein lokaler Shop eine passende Felge und nach gefühltem Last-Minute-Umspeichen verpacken wir die Bikes in die Bags. Jetzt wird es ernst. Kanada, wir kommen…


Vancouver

Ankunft Samstag. Das Wohnmobil gibt’s erst am Montag. Also wurde bis Montag ein Auto organisiert um mobil zu sein, die Grundidee für den Sonntag war biken. Wir fahren zur Northshore. Die Bikes sind noch verpackt und wir ziemlich erkältet. Also verzichten wir aufs biken heute und fahren zum Mt. Seymour für eine Trailbegehung. Wir laufen etwas herum und schnuppern in einen Black Diamond. Hoppla. Ganz schön viel Holz. Werden wir hier wirklich Spass haben? Es geht noch in einen Bikeshop zur groben Orientierung was die hier so haben und dann zurück – Erkältungstee trinken…
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Mt. Seymour.


Squamish

Nach Übernahme des Campers und 1h Fahrt sind wir in Squamish, ca. 1h nördlich von Vancouver auf halbem Weg nach Whistler. Der Erkältungstee hat gewirkt, gerade noch rechtzeitig. Hier soll es einen Trail geben:  Half Nelson – a downhill pumptrack, den haben wir auf der Liste. Wir bauen die Bikes auf, verstauen sie hinten im Camper und fahren zum örtlichen Bikeshop Corsa Cycles für eine grobe Orientierung. Wir kaufen eine (ziemlich gute) Karte mit den Trails und holen uns Inputs. Als Kanada-Neulinge stellen wir Fragen wegen Bären und Wildlife und ob man einen Bärenspray mitnehmen sollten? Die nette Bikeshop Mitarbeiterin sagt uns, was man tun solle und dass sie eigentlich vor Cougars (Pumas) mehr Angst hat, denn sie hätten gerade drei Problemcougars geschossen…

 

Freeride Mountain Bike Kanada BC Squamish

Squamish

Schon treten wir hoch zum Half Nelson Trailhead, den wir aufgrund der guten Karte und der guten Markierungen sofort finden. Links und rechts Wald wie wir ihn nicht kennen, Blätter überdeckt mit einer Schicht Staub, die von der Trockenheit der letzten Zeit zeugt…
Freeride Mountain Bike Kanada BC Squamish

Squamish

Oben angekommen, schalten wir auf bergab und surfen den Half Nelson. Unten angekommen ist das Grinsen in unseren Gesichtern festzementiert. Wow. Was war das?! Hammer, sowas ist noch nicht unter die Stollen gekommen. Also treten wir gleich wieder hoch und wählen den nächsten Trail, der uns im Shop empfohlen wurde. Pseudotsuga. Weniger breit, aber ebenso flowig und fast noch lustiger als der vorige… wow. Da können wir dem Prädikat eines im Wald angetroffenen Bayern „starke Kaufempfehlung“ nur zustimmen. Da wir es locker angehen lassen und die Fitness noch nicht 100% da ist, belassen wir es bei dem. Pumas und Bären gabs auch keine – zum Glück.


Whistler

Angekommen im Bikepark der Bikeparks. Ob das stimmt? Hochmotoviert stehen wir am Verkaufsschalter für Tickets. Wie lange bleiben wir hier? Kein Plan. Motiviert kaufen wir den Herbstpass. Wir sind unter der Woche da und ausser uns sind nur gefühlt wenige Leute da. Gut so. Wir fahren hoch und begeben uns auf grüne und blaue Strecken, wobei wir schnell feststellen, dass grün doch etwas zu easy ist und fahren alle blauen. Karate Monkey, Ninja Cougar, Angry Pirate und wie sie alle heissen. Super gebaut und spassig. Wir kommen in den Flow. Auffällig ist Crank it Up – so smooth sind wir noch nie geflogen… Wow. Fahren mal oben am Garbanzo, aber erst nur easy… Hier gibt’s viel Potenzial und Todo’s. Kurz vor 5 können wir nicht mehr und verspeisen in den letzten Sonnenstrahlen einen GLC Burger in der Garibaldi Lift Co. Als die Sonne weg ist, wird es frisch und für uns ist Feierabend. Am zweiten Tag ist das Programm ähnlich, nur dass derRegen die Staubwolken wegspült.
Freeride Mountain Bike Kanada BC Whistler

Prominente Nachbarschaft, Wildhabers Slash neben unseren.

Am dritten Tag mögen wir den Regen nicht mehr. Die Motivation nimmt ab während die Liftschlange wächst, weil das Wochenende naht und irgendwie haben wir genug vom Whistlerflair. Wir fahren am Vormittag noch Crank it up und ein Stück mit Bremswellen gepflasterte A-Line gibt den Rest. Mit der Motivation können wir genausogut im Auto hocken – heute ist Freitag, morgen ist Samstag und Silver Star hat offen…


Silver Star

Eine lange Fahrt ist hinter uns, wir sind an einem Nachmittag von Whistler nach Silver Star gefahren, durch faszinierende Landschaften. Es ist Bonuswochenende, die letzte Chance in diesem Jahr hier zu fahren.
Freeride Mountain Bike Kanada BC Silver Star Bikes Balkon

Pferdestall in Silver Star

Wir kaufen uns erstmal ’ne Tageskarte, denn der Wetterbericht für den Sonntag ist nicht zu allzu gut und biken los. Nach ein paar Rides ist uns klar: verdammt geil hier! Hammer! Die Strecken sind irgendwie anders als in Whistler und die Atmosphäre am Lift hat was Familiäres: jeder scheint jeden zu kennen und die Leute sind gesprächig. Uns erinnert es vom Flair her ein bisschen an Todtnau. Nach dem ersten Run haben wir einen Bären, einen Hirsch und ungezählte Eichörnchen und Wiesenblumen gesehen. Silverstar Wildlife Bikepark. Wir fahren erst mal blau, dann auch schwarze. Gefällt. Die Holzkonstruktionen lassen wir zumeist weg, wir haben ja Urlaub und wollen noch länger fahren…
Freeride Mountain Bike Kanada BC Silver Star

7 Years. Nachwuchs in Silver Star

Zeitweise kommen einzelne Schneeflocken herunter, aber es ist sonnig…
Am zweiten Tag regnet es, wir fahren hoch und hoffen, oben keinen Schnee vorzufinden. Es regnet und ist kalt. Motiviert sind wir nicht wirklich. Die Befürchtung, das Nichtfahren zu bereuen, treibt uns aufs Bike. Wir fahren die restlichen Strecken, auch den doppelschwarzen Dag’s Downhill. Eine kurze Schrecksekunde einer unsauberen Landung ist schnell vergessen. Der Trail ist hammergeil, da sind wir uns ausnahmsweise einig. Wir fahren bis wir nicht mehr können. Silver Star – hat sich gelohnt.
Am Abend fahren wir 3-4h weiter in Richtung Nelson, dann parkieren wir das Wohnmobil in der Nacht am Arrow Lake. Es regnet etwas, morgens reisst es auf. Der Blick auf den See und die Landschaft verpasst uns den nächsten Flash. Fast unberührte Natur soweit man schauen kann. „Fast“ unberührt, denn vereinzelt stehen Hütten am Seeufer, schön versteckt…
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Morgenstimmung am Arrow Lake

Nelson

Sacred Ride, Baker Street. Der Verkäufer verkauft das Trailbooklet und empfiehlt uns die Trails der Mountain Station und den Paperbag. Vorgewarnt aus dem Lift in Silverstar: „Nelson is a hippie-ish town“ verspeisen wir organic food und trinken organic coffee. Scheinbar überall sind Hippies, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Wir fahren zur Mountain Station und treten hoch. Links und rechts sind Trails, sie lassen erahnen was da steht. Auf Empfehlung eines Locals im Jamaica Trikot fahren wir etwas weiter hoch als geplant und fahren einen frischen Trail, der noch auf keiner Karte zu finden ist. Wow. That’s fun. Dann fahren wir Fat Chance, Tiger Beef… stellen fest, auch das blaue ist recht steil hier – in Nelson werden Höhenmeter vernichtet, fast etwas schade wenn man hochgetreten ist. Locals sagen, es sei nicht mehr so staubig wegen dem Regen – naja, wir findens schon noch trocken…
Am nächsten Tag gehen wir zu Nelson’s Northshore und suchen Newtsac. Schwarz auf der Karte. Beim Hochfahren sieht Lisa Bärenspuren. Oha, da wohnt noch jemand, den wir aber nicht treffen. Der Newtsac geht dann ordentlich zur Sache, die grossen Rockrolls sind noch ungewohnt, wir fahren die kleineren. Steil und flowig wechselt sich ab, unterm Strich – ruppig anstrengend. Wir sind pausenreif und machen Wellness in Ainsworth Hot Springs, doch nach 45 Minuten Rentnerwatching ist uns langweilig…
Biken geht’s erst wieder am übernächsten Tag. Paperbag schockt uns mit vielen kleinen Gegenanstiegen, der Flow kommt bei mir erst spät im letzten Drittel, wo es staubig steil zur Sache geht. Erstaunlich, was ein Minion hält.
Ein paar weitere Trails der Mountainstation sind noch dran, uns fehlt noch etwas Flow heute. Die sind dann erneut steil und ruppig. Zwischendrin gebaute Stunts, man erkennt: hier ist blau, was in Whistler schwarz ist. Die Macher von Kranked kommen von hier – alles klar.

Rossland

Der Stop in Rossland fällt nur kurz aus, wir fahren trotzdem ein paar Trails. Super Tipp vom Local im Shop: von Warfield mit dem öffentlichen Bus shutteln. Fast wie in der Schweiz. Wir treten hoch zum Kootenay Columbia und geniessen die Aussicht.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Rossland’s nützliche Bikekarte

Wir starten mit KC Ridge, am Trailstart erinnert es etwas an Boulder City (Nevada, da waren wir letztes Jahr) mit von Verwitterung gefärbten kantigen und spitzen Steinen. Dann folgt Milky Way, ein flowiger Spasstrail mit allem was gefällt. Wir surfen durch, auch wenn es etwas schwer fällt, die Linie durch die Staubwolke des Vorfahrers zu finden. Unten angekommen haben wir noch nicht genug und kurbeln 1,5 km zum nächsten Trailstart hoch. Spring Cleaning ist steil und mit Absätzen und Rockrolls gespickt, irgendwie gefällt es besser als in Nelson.
Freeride Mountain Bike Kanada BC Rossland

Rossland

Wir sitzen an der Bushaltestelle, mit einer Cola und einer Packung Beef Jerkey und grinsen. Wir hätten noch Lust auf einen Run, aber es fährt nur noch ein Bus danach und wir müssen weiter nach Penticton, denn dort haben wir für morgen einen Shuttletag mit Johnny Smoke gebucht (bushpilotbiking.com, die Guide/Shuttle Referenz in BC). Also verlassen wir die Miningstadt und fahren weiter nach Penticton mit einem Stop für ein Lachssteak in Osoyoos, quasi Kanada’s Mallorca.


Penticton

Nach einigen Tagen hochtreten haben wir Lust, mal wieder nur bergab zu fahren, also treffen wir uns um 9h mit Johnny Smoke am Freedom Bikeshop. 120$ pro Person erschien uns anfangs etwas viel, doch Johnny’s Ruf ist gut und wir sind aufgeregt wie kleine Kinder. Heute stehen 3-4 shuttled und guided runs auf dem Programm. Johnny kommt mit Andrew, einem Local Rider & Trailbauer, der zur Zeit wegen Rahmenbruch nicht fahren kann und das Shuttle für uns runterfährt.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

BushPilotBiking.com – Johnny lädt auf

Es geht hoch von Naramata in Richtung Mount Randolph. Johnny erzählt, in der Gegend gebe es rund 250km Singletrails. Johnny fragt routinemässig, wo wir waren und welche Trails wir gefahren sind. Dann geht est erst mal los mit einem flowigen und weniger heftigen Run, doch aber sehr abwechslungsreich und spassig. Es geht durch staubtrockene Wälder und Graslandschaft runter in Richtung Okanagan See, die Bremsen braucht man kaum und man lässt es einfach rollen.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Staub, Staub, Staub

Hier und da ein paar Stunts, perfekt angesagt vom Guide, springen wir über so manches kleine Gap. Mit dabei ist Coolie, Johnnie’s Hund, der auf Ansage zur Seite springt (meistens). Zum Abschluss noch ein paar Turns durch Staub in einer Achterbahn und wir grinsen über das ganze Gesicht. Festzementiert. Hat sich schon jetzt gelohnt. 120$ wär der Run schon wert gewesen. Johnny telefoniert, es haben sich noch welche gemeldet. Ok, wir fahren nach Penticton, Johnny kauft Sandwiches und wir warten auf einen Gruppe alter Northshorehasen. Durchschnittsalter geschätzte 50-55. Dave erzählt uns, die Gruppe bike seit 20 Jahren zusammen. Er habe 1986 am Northshore angefangen und fahre regelmässig 2x unter der Woche. Respekt. Beim Uphill zum nächsten Run ist das Shuttle voll. Andrew sitzt auf dem Campingstuhl zwischen Fahrer und Beifahrer.
Zwischenzeitlich erfahren wir von Andrew viel über die Trailkultur in Kanada: Ob es legal ist, Trails zu bauen? Nein, ist es nicht: wenn man erwischt wird drohen bis zu 250000$ Strafe oder 6 Monate Knast. Aber es gebe nur 5 Leute in BC die sowas verfolgen und kümmern tut es auch keinen. Trailbauer gibt es sowieso nur wenige. Andrew ist einer von denen, die mit Dakine Builderspack und Fichtenmoped in den Wald ziehen und im Okanagan Trails bauen. Trailbauer kennen sich. Manchmal helfe er Trailbauern in anderen Gegenden, manchmal helfen sie ihm. Ein Trail koste rund 2000 $ für Material und Sprit, meist aus eigener Tasche der Trailbauer. 2003 habe ein heftiger Waldbrand eine Menge Trails zwischen Penticton und Kelowna zerstört, er habe einige rekonstruiert… aber halt nur einige. Das Grundproblem im Okanagan sei, dass zu wenige die Trails fahren, denn Gras wuchert die Trails zu. Es müssten einfach mehr Leute hier fahren…
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Penticton

Wir sind oben, zweiter Run. Die Herren von der Northshore geben uns Touristen den Vortritt. Der Trail ist ähnlich wie der erste, vielleicht klein wenig steiler und technischer, aber genauso flowig und spassig. Hier und da ein Stunt, Johnny warnt vor den älteren und baufälligen. Die stünden schon lange hier – so seit Mitte der 90er.
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Dropsalot Trailhead

Der letzte Run startet mit kleinen Uphills und ist anfangs gleich dem ersten, dann sehen wir das Schild. Dropsalot. Was für ein Name. Ich überlege kurz was kommen mag, doch es geht schon los, der Trail geht über Felsen mit zumeist kleineren Drops und Kanten, ist aber trotzdem flowig. Beeindruckt sind wir, mit wie wenigen Mitteln man flowig bauen kann: hier und da ein paar Steine arangiert und schon ist es smooth. Ein Stein klappert beim Absprung,  liegt aber so, dass der nächste Biker ihn wieder so trifft. Dann kommt ein grösserer Drop. Ich fahre hinter Johnny, verweigere aber und entscheide mich für die Ladies Line. Nicht so einige vom Northshore, die uns zeigen dass man auch 20 Jahre älter noch droppen kann.
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Dropsalot – Lisa ignoriert die Ladies Line

Zuletzt droppt Lisa und erntet Anerkennung vom Northshore. Die nächsten Drops sind dann kleiner und werden genommen. Plötzlich heisst es „man down“, einer der Jungs ist an einem Drop vornüber eingeschlagen – Die Nase blutet, aber zum Glück ist nichts schlimmeres passiert. Ich erinnere mich an meinen Crash von vor zwei Jahren…
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Faceplant. Man down. Zum Glück lacht er

Es ist 5. Hell ist es bis 7. Johnny fragt, ob wir noch einen machen. Doch wir sind erledigt und man müsste sich sputen, wir trinken ein Bier mit der Gruppe. Johnny bringt uns zum Wohnmobil. Wir geben noch eins aus, am Horizont über dem Berg sind ein paar Wolken. „You see that cloud over there? That’s the end of summer.“ kündigt Johnny an, ab jetzt sind es nur noch 20° tagsüber. Schliesslich war der Tag billiger, weil die Gruppe grösser war. Wir spenden den Rest dem Trailbau in BC…
Freeride Mountain Bike Kanada BC

The End of Summer


Kamloops

Wir sind schon wieder gefahren und erreichen mittags Kamloops. Es ist Sonntag, der Bikeshop hat zu.

Ich frage einen mit Bikes am Auto, wo der Rio ist. Keine Ahnung, aber es gäbe die Bikeranch irgendwo in östliche Richtung. Der Nase nach fahren wir eine Strasse lang, biegen irgendwo ab und sehen die Bikeranch. Wir erfahren, dass es ein Shuttle gibt, Mostly Mental Shuttles, netter Typ. Er fährt uns zum Half Rio und erklärt den Trail. Wir fahren zweimal, er arbeitet extra etwas länger und shuttelt uns nochmal hoch, denn das beste an seinem Job sei, dass er Biker glücklich macht.  Wir fahren den Trail, den wir aus Seasons „kennen“…

Ride on Rio. from Jan Kiefer on Vimeo.

Besser als nur auf Video, definitiv. Als wir Kamloops verlassen, flasht uns die Natur mit ihrem Lichtspiel.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Kamloops

Pemberton

Wir sind in Pemberton, die Fahrt von Kamloops war landschaftlich beeindruckend, doch hier regnet es nun in Strömen.

Nach einem Snack im „Swiss“ Restaurant und sind wir unschlüssig. Egal, wir fahren. Cream Puff haben wir uns vorgenommen. Wir kurbeln hoch. Am Mosquito Lake suchen wir den Weg, schliesslich kämpfen wir uns einen Black Diamond hoch, da wir die anderen Uphills nicht gefunden haben. Der Trail ist fast zugewuchert, es tropft überall Wasser runter. Etwas mühsam finden wir den Trailhead. Endlich.
Freeride Mountain Bike Kanada BC
Freeride Mountain Bike Kanada BC
Freeride Mountain Bike Kanada BC
Wir fahren nasse Rockrolls, der Trail verzweigt. Markierung Fehlanzeige, hm.  Muss ein anderer sein. Wir kommen an ein Gap, sicher 8-10 Meter über grünes… Ein No-Go für uns. Am Ende gelangen wir auf eine Logging Road mit viel Gestrüpp, irgendwie war das mehr suchen als rollen. Vielleicht hätten wir länger in Kamloops bleiben sollen für den Harper Mountain? Hinterher ist man immer schlauer.


Whistler

Wieder da. Wir fahren wieder im Regen. Das hasendrahtlose Holz ist glatt, mir schmiert das Hinterrad mal weg – aber ich kann mich noch fangen. Irgendwie ist heute der Wurm drin. Garbanzo ist zu. Hat nur noch am Wochenende auf. Shit, wären wir da mal vorletzte Woche mehr gefahren, aber wir wollten ja nach Silverstar. Wir schauen uns Detroit Rock City an, am Start für uns unfahrbar. Als wir uns runterarbeiten kommt aber auch kein anderer Biker. Der nächste Tag ist besser, es ist trockener und wir fühlen uns wohler. Wir wagen uns an den Canadian Open und können tatsächlich viel fahren. Tiptop. Wir fahren den Dirt Merchant, doch die Sprünge sind uns doch zu gross. Hier muss man definitiv ungebremst unterwegs sein. Unterm Strich ist der Tag super. Wir fahren unsere Lieblingsstrecken bis wir nicht mehr können. Letzte Fahrt? Es ist viertel vor 5, wir entschliessen uns aufzuhören und schauen zum Lift. Wir entdecken ein paar Bekannte und beenden den Tag mit einem Bier mit Holger Meyers Gruppe. Unser Bekannter erzählt, wie’s ihnen geht und von der Schreckminute, auch genannt Joyride. Whistler halt. Die Gruppe shuttelt am nächsten Tag mit Johnny, wir fragen nach freien Plätzen, natürlich gibt es keine ;-) Holger erzählt uns von Trailsperrungen in Squamish wegen einem Cougar. Shit, da wollten wir morgen hin.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Sea to Sky

Mt. Fromme/Northshore

Wir machen uns schlau, in Squamish ist ein Berg gesperrt wegen einem Cougar. Da wir uns mit Cougars nicht wirklich auskennen fahren wir gleich weiter an den Northshore. Eine Runde auf Mt. Fromme ist angesagt.
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Mt. Fromme Uphill

Das war der Tipp der Northshorer aus Johnnny’s Shuttle. Wir entschliessen uns zur Lower Oilcan. Schwarz,anfangs spassig, werden die Skinnies zahlreicher und schmaler. Irgendwie doch ordentlich. Nach der Oilcan fahren wir kurz blau, dann verirren wir uns auf einen Double-Black Diamond. Shit nochmal. Etwas angestrengt sind wir dann unten. Neben den Skinnies runter gekommen.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Mt. Fromme

Letzter Tag und noch viel zu wenig Fotos gemacht. Ok, nochmal Mt. Fromme und mit Kamera, aber heute bitte etwas flowiger. Beim Ausladen der Bikes quatschen wir mit einem Local, Alter ist bestimmt schon an die 70. Er istgerade Seven Secrets gefahren und macht das seit über 20 Jahren. Man kann’s halt nicht lassen. Gut so, da haben wir ja noch was vor uns. Wir fahren Bobsled, dann Floppy Bunny.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

Mt. Fromme

Wir legen ein paar kurze Fotostopps ein und bekommen wenigstens ein paar Fotos. Keine Riesendrops aber wir sind ja nicht das letzte mal da. Wir beenden den Tag mit einem einfachen Trail unten raus… und rollen zurück zum Wohnmobil. Bikes putzen, einpacken, Abflug.

Fazit

Das war also BC. Das war Kanada. Alles heil geblieben, Mensch und Maschine, zum Glück. (Wir haben schon andere Geschichten gehört vom Selbstabschuss am 2. Tag oder selbstverschuldeter längerer Bikepause gegen Ende… ) Auf jeden Fall lohnenswert und man sollte es auf jeden Fall mal erleben, bei uns war es jedenfalls überfällig. Biken ist Biken, Biker sind Biker, süchtig sind alle. Aber Trails sind nicht gleich Trails. Irgendwie anders und trotzdem ähnlich wie hier in Europa. Nur mehr Holz und trockener, viel trockener und wenn’s mal nass ist, dann ist’s doch einfach anders nass. Matschreifen braucht man da nicht, nur Minions.
Freeride Mountain Bike Kanada BC

100% Minion DH F

Wir hatten zwei Liteville 901 dabei,  mit 170/185 und 180/200mm Federweg. Unterm Strich eine gute Wahl auch wenn man auf den Bremswellen auf Whistler’s A-Line doch noch eine schluckfreudigere Front gehabt haben könnte, aber eigentlich nur da. Für unsere Gefühle wären schwere Downhiller zu viel gewesen, da man doch mal hochtreten muss oder halt sehr gut organisiert shutteln muss.
Einen neuen Trip würden wir vielleicht etwas anders machen, die Schwerpunkte verlagern. Whistler macht vielleicht organisiert Sinn um weniger zu regeln  zu haben. In Nelson würde ich einen Helidrop buchen, in Pemberton shutteln und länger in Rossland rippen. Und in Kamloops noch den Mt. Harper fahren. Und es gibt noch…. Und. Und. Aber es war auch so geil, richtig geil. Insgesamt bräuchte man angesichts der Menge an Trails aber sowieso mehr Zeit, viel mehr Zeit. Und wir haben eigentlich das maximale rausgeholt. 17 Tage auf dem Bike in BC in 3 Wochen, mehr geht eigentlich nicht wirklich. Man bräuchte halt einfach einen ganzen Sommer da…

Author: jan

3 Kommentare:

  • Super geschrieben Jan. Danke!
    Da kriegt man richtig fernweh…

  • Wow, danke für den tollen Text, wirklich Super geschrieben!
    Shit, ich wollte eigentlich für 2 Wochen gehen. Was nun?

    Hast du allenfalls einen Tip für Bike-Spots im November? Es scheint als kommt ihr viel rum.

    Grüsse

  • BC im November? Da würde ich mich ans Landesinnere halten. Okanagan hauptsächlich, von Kelowna bis runter nach Penticton. Das ist niedrig gelegen und eher warmes Klima, da kann man bis auf 1000 Hm scheinbar auch im Winter noch Biken. Nelson und das Kokanee Gebiet könnte auch geeignet sein dafür.

    Viel Spass schonmal!

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Erstellt von am 8. Oktober 2011