Nach 6 Jahren Kona Stinky Primo, 2 Jahren Santa Cruz VP Free und 2 Jahren Specialized SX Trail ist seit Anfang 2009 das Santa Cruz Nomad mein treuer Begleiter. Die Anforderungen an dieses Bike waren ganz einfach: gemütlich zum Hochfahren, perfektes Handling bergab und stressfrei im Unterhalt. Für gemütliche Feierabendtouren wie auch 2000 hm Abfahrten im Wallis. Ein-Bike-für-alles-Projekt Teil 3.

Gleich schon mal das Fazit: 100 Punkte. Hammer. Ein massgeschneidertes Wohlfühlbike.

Bei einem Ausflug an die Eurobike 08 wollte ich die üblichen Verdächtigen aus meiner engeren Wahl genauer unter die Lupe nehmen: Trek Remedy, Lapierre Froggy, Lapierre Spicy, Fusion Freak, Giant Reign, Specialized Enduro und eben das Santa Cruz Nomad. Und das Nomad war halt Liebe auf den ersten Blick. Willhabenmusshaben. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereut habe.

Bikes - Santa Cruz Nomad

Das Bike

Da mich die Buildkits von Santa Cruz Schweiz nicht überzeugten, habe ich mich nach passenden Teilen umgesehen. Hauptanforderung: kein Stress und stabil! Es nervt nichts mehr, als ein Bike aufzubauen, welches nachher mehr Zeit in der Werkstatt als auf dem Trail verbringt. Das man so halt auch kein superleichtes Bike hinbringt ist halt die Konsequenz davon. Je nach Bereifung wiegt mein Nomad 15-16 kg – Gewichtsfanatiker können es auch auf 12.5 kg bringen. Die Möglichkeiten sind endlos.

Rahmen Santa Cruz Nomad M 17″
Dämpfer Fox DHX Air 5.0 160 mm
Gabel Fox 36 VAN RC2 160 mm
Bremsen Shimano Saint 4 Kolben, 203mm
Kurbeln Shimano Saint 170mm, 36×22
Kettenführung E13 DRS
Schaltwerk Shimano XT
Umwerfer Shimano XT
Kassette Shimano XT
Shifter Shimano Saint
Naben Shimano XT(h), Shimano Saint 20mm (v)
Felgen Mavic EN521
Reifen Maxxis High Roller & Maxxis Advantage
Steuersatz Chris King Devolution
Lenker Sunline V2
Griffe ODI X-Treme Lock-On
Vorbau Easton Vice 65mm
Sattelstütze Nuke Proof Warhead
Sattel Selle Italia Flite Titanium
Pedale Azonic Fusion

Fazit nach einer Saison: 1 x Kette gewechselt, 1 x hintere Bremsbeläge ausgetauscht. Und nicht 1 x ein Platten. Reifen & DH Schläuchen sei Dank.

Bikes - Santa Cruz Nomad

Fahrverhalten

Im Uphill dank VPP und DHX 5 Air sehr ruhig. Auch lange Anstiege sind absolut kein Problem, man hat echt das Gefühl auf einem viel leichteren Bike zu sitzen. Mein altes VP Free hatte noch einen ziemlich nervenden Pedalrückschlag beim stehenden Fahren, aber beim neuen Nomad wurde das glücklicherweise fast komplett eliminiert. Dies wirkt sich auch sehr positiv auf Singletrails mit längeren Tretpassagen auf.

Auf Singletrails ist das Nomad sowieso in seinem Element. Egal ob Highspeed oder komplett verblockt, von flüssigen Passagen bis zu kniffligen Serpentinen, das Nomad bleibt die Ruhe selbst. Dies verdankt das Nomad dem supersensiblen Hinterbau mit DHX5.0 Air Dämpfer aber auch dem flachen Lenkwinkel von 67°. Mit einem Radstand von 110 cm ist das Nomad aber kürzer als vergleichbare Konkurrenten wie Remedy und Froggy mit 113 cm. Das mag zwar auf dem Papier nach wenig tönen, aber auf verblockten Serpentinentrails bin ich dankbar um ein so kurzes und agiles Bike. Einzig bei wirklich schnellen Downhills durch Geröllfelder hab ich mir bisher ein längeres Bike gewünscht, aber dies ist schliesslich auch nicht mein bevorzugtes Terrain und somit kein grosses Problem für mich. Den (bisher einzigen) Einsatz in einem Bikepark (Crans Montana) hat das Nomad jedenfalls gut gemeistert.

Highlights

Federgabel: Fox 36 VAN RC2: Spricht butterweich an, sehr vielseitig einstellbar, bocksteif, cleveres Schnellspannsystem für Steckachsen. Ist leider nicht absenkbar, aber nach den Erfahrungen vieler Kollegen mit verstellbaren Gabeln bin ich sogar froh darum. Schliesslich soll eine Gabel bei der Abfahrt ihre Funktion erfüllen. Und dies erledigt die Fox 36 wirklich sensationell. Ein echter Glücksgriff.

Bikes - Santa Cruz Nomad

Bremsen: Shimano Saint 4 Kolben. Unglaubliche Bremskraft und super dosierbar. Man muss sich allerdings am Anfang an den Biss der Bremsen gewöhnen, denn die ist im Vergleich zu anderen Bremsen doch heftig. Allerdings nicht so digital (0/1), wie viele unwissende Forumsjunkies und Parkplatzrundentester behaupten. Mit der Zeit merkt man, dass die Bremse sogar viel feiner dosiert werden kann als viele vergleichbare Modelle. Und bei langen Abfahrten ist man sehr froh, noch immer Reserven für eine Vollbremsung zu haben. Davon konnte ich bei meiner alten Avid Juicy nur träumen. Eine echte Stressfreibremse mit enormer Power. So soll es sein. Einziges Manko ist, dass die Ersatzbeläge brutal teuer sind, dafür auch langlebiger bissiger und vor allem leiser als Beläge von Drittherstellern. Ich habe mir hinten mal die Beläge von Sixpack montiert. Sind weniger bissig und kreischen wie eine Säge bei Nässe oder Hitze, dafür leichter dosierbar bei Manuals und Wheelies. Trotzdem kommen nächstes Mal wieder Shimano Beläge drauf, das Quietschen ist einfach hässlich und stört die Ruhe auf den Trails enorm.

Laufräder: Eigentlich wollte ich ja Mavic Crossmax SX Komplettlaufräder, aber nach einem netten Tipp (merci vielmals Bruno!), dass die Mavic Naben mehr Stress als Freude bereiten, hat mir Remo superstabile Laufräder mit XT/Saint Naben, Mavic EN521 Felgen und DT Speichen gebaut. Trotz Prügeltrails, verpassten Landungen und Einschlägen auf Steinkanten keine Delle, kein Achter, nix. Es geht noch immer nichts über ein gutes handgespeichtes Laufrad vom Profi. Rocco halt.

Bikes - Santa Cruz Nomad

Die anderen Komponenten erledigen bisher ihren Dienst auch wie gewünscht. Keine Dellen in den Felgen, keine Platten, kein Knacksen oder Klappern. Kettenführung? Ach ja ist ja eine dran… hmmm… keine Ahnung funktioniert einfach. Herrlich. Lediglich Lenker und Vorbau habe ich am Anfang noch gewechselt, um mehr Druck aufs Vorderrad zu bringen und besser durch Serpentinen zu zirkeln. Aber sonst: alles prima. Und bisher kein Wunsch, nur schon ein einzelnes Teil zu wechseln. Eben ein Wohlfühlbike.

Es gibt bloss etwas, was mich am Nomad ein wenig stört… die Kabelführungen am Oberrohr sind so angebracht, dass Heben und Tragen über Kuhgatter nur mit Schmerzen an den Händen oder unbequemen Tagepositionen möglich ist. Klar kann man das Bike auch anders heben, aber für mich wäre das noch praktisch. Einfach so als kleines nettes Detail.

Bikes - Santa Cruz Nomad

Summa summarum: Noch nie hatte ich auf einem Bike so viel Spass wie auf dem Nomad. Wieselflink, verspielt, komfortabel, zuverlässig. Sehr angenehm im Uphill, ein Traum auf Singletrails und mit genügend Reserven bei DHs. Unter den besten Allroundbikes gehört das Nomad ohne Wenn und Aber aufs Podest. Und zwar zuoberst. A perfect ten.

Vielen Dank noch an dieser Stelle an Remo vom Bergwerk in Horw für den perfekten Aufbau des Bikes und an Franz für die sensationellen Fotos.

Author: Dave

3 Kommentare:

  • Cool!
    …und verdammt verdammt geile Fotos!

  • Hallo Dave!

    Das Nomad ist optisch sowie technisch ein super Bike und wenn man bei den ganzen Bike-Filmen genauer hin sieht fällt auf, das die Pro´s dieses Bike gehörig durchs Gehölz prügel. Sollte also für uns Normalo´s auch reichen. Jetzt aber zu Deiner VP-Free Vergangenheit, hattest Du nie Versorgungs Probleme mit dem Schaltauge, ich warte jetzt schon seit März auf eines, wird schön langsam problematisch. Ist schon traurig das bei solch tollen und auch teuren Bikes die Teile Versorgung so schlecht ist.

    Gruß aus Österreich

    Mike

  • Hallo Mike
    ich hatte mit dem VP Free nie Probleme mit dem Schaltauge – ich musste bloss einmal die Lager wechseln, und die waren nach 4-5 Tagen nach Bestellung im Bikeshop. Allerdings habe ich bei Santa Cruz auch schon erlebt, dass ich auf einen 08-15 Hardtail Rahmen etwa 4 Monate warten musste. Kann mir also gut vorstellen, dass bei gewissen Teilen lange Wartezeiten bestehen. Bei einem Schaltauge sollte das zwar echt nicht sein, sowas müsste bei jedem Importeur an Lager sein.

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Erstellt von am 10. September 2009