Hechti von der Mountainbike Freeride Connection Luzern war so nett, uns seine Anleitung für die Bewältigung von Geräuschproblemen bei Scheibenbremsen zur Verfügung zu stellen.

Dieses Tutorial soll eine Hilfe für Leute sein, welche selber an ihrem Bike schrauben d.h. schon ein gewisses Grundwissen besitzen. Für die Modifikationen und Vorgehensweisen wird keine Haftung übernommen.

Erstmal vorweg: Man krieg so ziemlich jede Bremse geräuschfrei, wenn man es richtig macht. Meist muss dazu aber nicht nur die Bremse, sondern auch die das Laufrad und der Rahmen miteinbezogen werden. Oft wird nur ein bisschen an der Bremse probiert und wenn es dann nicht funktioniert, das Ding gleich für Scheisse suboptimal befunden und ausgetauscht.

Als Erstes ist es natürlich wichtig, die Bremse richtig zu montieren und zu justieren. Bei einer Postmount Bremse gestaltet sich das recht einfach: Durch die Langlöcher am Bremskörper kann man die Bremse seitlich verschieben bis die Scheibe mittig läuft. Bei einer IS (International Standard) Bremse muss man Präzisions-Unterlagsscheiben unterlegen, bis die Scheibe mittig durch die Beläge läuft (Finde diese halboffenen Unterlegscheiben von Shimano mit kleinem Griff dran sehr praktisch). Vorausgesetzt es handelt sich nicht um eine Lefty, bei der man die Bremse demontieren muss, um das Rad ausbauen zu können.

shimano saint 2012
So schön die neue Scheibenbremse auch sein mag, oft passt sie nicht perfekt auf die Bremsaufnahme.

Steht der Bremssattel radial schräg zur Scheibe, solltet ihr zum Punkt Bremsaufnahme springen oder den Adapter tauschen, da diese teilweise nicht 100% genau gefertigt sind. Bei IS wie Postmount ist jedoch darauf zu achten, dass sich die Nehmerkolben gleichmässig bewegen und zurückfahren (es sollten beide Kolben gleich weit rausstehen. Das heisst, nicht einer ganz drinnen und der andere fast draussen. So kriegt ihr die Scheibe nie mittig. Ist dies nicht der fall, sollten sie am besten mit dem in der Bremse verwendetet Medium, geschmiert werden, bis sie richtig laufen.

Auch unregelmässig laufende, halbverhockte Kolben können zu Geräuschen führen. Im Zweifelsfall sollten grade bei DOT-Bremsen die Kolben plus die Quadringe gewechselt werden.
Sind die Kolben ausgerichtet, sollte man sich um die Scheiben kümmern. Alte Scheiben sollte man generell mal mit Brennsprit putzen, neue Scheiben sollten sauber sein, solange man nicht beim Mechen mit Fettfingern drauffasst. Der nächste wichtige Punkt ist, dass die Scheibe rund läuft. Es gibt ein Werkzeug zum richten von Scheiben – im Notfall genügt jedoch auch eine Zange, zumindest für einen Seitenschlag. Ab und zu kann es auch starke Höhenschläge in einer Scheibe geben, die zu Geräuschen führen können. In dem fall müssen die Scheiben ausgetauscht werden, denn Höhenschlage kann man nicht richten.

trickstuff-scheibenbremse-richter.jpg
Die Richtzangen für verbogene Bremsscheiben von Trickstuff. Bei einem Höhenschlag sind auch die machtlos.

Als nächstes gilt es sämtliche Schrauben gut anzuziehen (Drehmomente zähl ich jetzt nicht auf) d.h. die am Adapter, an der Scheibe, an der Bremszange und im Falle einer two-piece Zange auch die Schrauben, welche beiden Hälften verbinden. Ausserdem sollte man die Schrauben nicht trocken montieren, denn auch dies führt meiner Erfahrung nach gerne zu Geräuschen.

Habt ihr diese arbeiten alle korrekt ausgeführt, sollte die Bremse im Optimalfall schon ohne Probleme funktionieren. Das das oft nicht der Fall ist wissen wir alle und damit kommen wir zum interessantesten Teil dieses Tutorials und zwar zu den kleinen Tricks und Kniffen, welche man in einer Werkstatt so lernt:

Bremsaufnahme
Diese sollte – wenn es Probleme gibt – auf jeden fall mal plangeschliffen werden. Oft wird dies nicht versucht, obwohl es einer der offensichtlichsten Punkte ist. Wenn man planschleift, gilt es den lack komplett wegzufräsen, bis ihr aufs blanke Metall kommt. Allfällige Lackränder die irgendwie verhindern, dass der Adapter wirklich satt auf der plangefrästen Bremsaufnahme liegt, sollten unbedingt auch beseitigt werden, sonst wird es meist nur noch schlimmer.

Technik - Bremsgeräusche eliminieren
Auf einer so verschmutzten Bremsaufnahme lässt sich ein Bremssattel leider nicht perfekt montieren und ausrichten.

Bremsbeläge
Als erstes ist zu erwähnen, dass weichere Beläge meist weniger Geräusche machen, da sie weniger Schwingungen verursachen. Oft gibt es bestimmte Beläge, die ein Geräusch eliminieren – diese können aber je nach Bremse sehr variieren und ich will mich jetzt nicht auf einen bestimmten Hersteller festlegen. Falls es mit dem weicherem Belag immer noch Probleme gibt, kann man folgendes tun:
Als erstes den Belag selber etwas aufrauen (bei älteren Beläge, wo die Gefahr besteht, dass sie nicht ganz sauber sind, kann es auch helfen sie mit dem Heissluftföhn mal richtig zu heizen, bis der ganze Schmutz verdampft) und dabei leicht die Kanten anschrägen (soll in etwa den Effekt erwirken wie das „Tow in“ bei einer Felgenbremse). Aber nicht zuviel abschleifen, damit die Reibfläche nicht gleich um die Hälfte verringert wird. Hilft dies ebenfalls nicht, kann man am Belag nur noch eines machen und zwar etwas Kupferpaste auftragen und zwar von HINTEN! Diese kann Schwingungen zwischen Belag und Kolben verhindern. Kupferpaste verhält sich in dem Fall wie Wärmeleitpaste an der CPU eines PC. Tragt also nicht zuviel und auch nicht zuwenig auf. Es sollte eine dünne Schicht auf der platte sein, in etwa so. dass man den Untergrund noch leicht durchschimmern sieht.

Scheibe
Gerade diese neigt teilweise extrem zum Schwingen (bei meiner Hayes konnte ich früher zugucken, wie sie beim Schleifbremsen etwa einen halben Zentimeter hin und her schwang). Was man machen kann, ist die Schrauben der Scheibe mit Unterlagscheiben unterlegen, damit das Anzugsmoment auf eine grössere Fläche verteilt wird. Es gibt auch komplette Ringe zu kaufen, welche man unter die Scheibe legt und welche auch Schwingungen dämpfen können. Eine Extrawurst bei den Scheiben sind die Centerlocks: In meinen Augen ein sehr guter Ansatz, es gilt jedoch darauf zu achten, dass man sie wirklich gut anzieht, die dünne Unterlagscheibe unter der Mutter nicht vergisst und die Verzahnung etwas schmiert (am besten auch mit Kupferpaste wegen den Temperaturen). Man kann auch probieren die Scheibe mal mit Sandpapier etwas aufzurauen – Dies hat nach meiner Erfahrung aber keinen allzu grossen Effekt.

Technik - Bremsgeräusche eliminieren
Es gibt hunderte von unterschiedlichen Bremsscheiben – aber flach müssen sie alle sein.

Laufrad
Das Laufrad selber ist auch oft der Ursprung allen Übels. Hier gilt es als erstes die Achse (grade bei Schnellspannern) mal zu kontrollieren und eventuell etwas mehr zu spannen. Ausserdem kann man mal probieren die Speichenspannung zu erhöhen bzw. die Speichen, an den stellen wo sie sich kreuzen, mit Kabelbindern zu fixieren. Teilweise kann es auch sein, dass ein Nabenwechsel hilft, hatte ich bei der Konstellation Stinky Hinterbau + Deore Nabe + 8 Zoll Hayes Scheibe. Teilweise kann es auch an der Hinterbau-Brems-Kombi liegen. Hatten wir mal bei einem Arrow Hardtail mit XTR Bremse … ne XT Bremse hat an diesem Hinterbau keine Geräusche gemacht. Diese Kuriosität entdeckten wir bei insgesamt 4 solcher Arrow Bikes.

Einbremsen
Teilweise passiert es auch, dass einfach mal neue Beläge probiert werden oder eine neue Scheibe montiert wird, ohne das diese eingebremst werden. Nach einer kurzen Parkplatzunde tritt das Problem immer noch auf und es werden die nächsten Beläge probiert. Dieses Vorgehen ist falsch, denn auch ein uneingebremster Belag kann zu Geräuschen neigen. Deshalb gilt also: Das Ding zuerst richtig einbremsen und vielleicht ergibt sich dann der Rest…

Technik - Bremsgeräusche eliminieren
Shimanos Centerlock: Clever, aber kein Heilmittel für alles.

Verunreinigungen
Wenn der Bremsbelag oder die Scheibe durch Öl oder Bremsflüssigkeit verunreinigt wurde, gibt es folgendermassen Abhilfe. Bei DOT (an dieser Stelle noch mal: DOT-Bremsen sind geiler Jungens!) ist es ein relativ kleines Problem. Einfach gut Wasser auf Scheibe/Bremskörper und dann das Ding mal richtig heiß bremsen. Das Wasser neutralisiert das DOT und meist hat man recht schnell wieder (mehr) Bremspower als vorher.
Bei Mineralöl wird es schwierig und es ist auch nicht unterwegs machbar. Man muss die Beläge ausbauen, die oberste Schicht abrauen (bis halbwegs normal aussehender Belag zum Vorschein kommt) und den Belag mit dem Heissluftföhn heizen bis er nicht mehr dampft. Dann sollte der Bremskörper bzw. die Bremsscheibe mit Brennsprit o.ä. gereinigt werden und dann kann man nur noch hoffen, dass es wieder funktioniert.
Die ganze Prozedur sollte man möglichst bald nach der Verschmutzung machen, sonst bringt es meist nix mehr

So das war’s dann eigentlich erstmal. Falls ihr immernoch Probleme habt, solltet ihr das Teil wohl besser mal zum Mechaniker bringen.

Wir hoffen einigen geholfen zu haben und dass jetzt wieder Ruhe auf den Schweizer Trails einkehrt.

 

Author: flowzone

riding passion switzerland
flowzone is all about mountain biking

2 Kommentare:

  • Gut geschrieben Hechti! Auch wenn ich ein oder vielleicht zwei Korrekturen anbringen musste :-D

    Dankeschön!

  • ja hatte das ganze halt im wahn geschrieben. hatte an dem tag grad mega-kampf mit ner bremse und am abend hab ich dann den text ins traildevils reingehämmert …

    und vielleicht mach ich auch wirklich mal noch eingies mehr ..

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Erstellt von am 9. März 2009