Am letzten Wochenende (19./20.9.2015) war die Bluegrass Enduro Serie zu Gast im schweizerischen Jura. Das Motto der Bluegrass Serie „One World – Race it blind“ beschreibt wohl eines der interessantesten Rennformate im heutigen Mountainbikesport.

Photo by Maxime Schmid

Die Bluegrass Enduro Tour zu Gast in der Schweiz

Endurorennen beinhalten eine Reihe von Wertungssprüfungen/Stages, die grösstenteils bergab gefahren werden, am Ende zählt die die Summe der Stagezeiten. Das besondere am Blindformat: Es gibt kein Training auf den Strecken und jede Besichtigung der Strecke vor dem Rennen ist verboten. Der besondere Charme – man sieht die Strecke erst im Rennen.

„Dieses Rennen ist schwierig“ – der schweizerische Jura entpuppt sich als anspruchsvolles Terrain auch für erfahrene Teilnehmer.
Erstmals wurde das Rennen im schweizerischen Jura im Rahmen der internationalen Bluegrass Enduro Tour ausgetragen – doch es war nicht das erste Rennen in der Region – bereits seit 2010 werden hier Endurorennen als  Equinoxx Enduro ausgetragen. Nicht zuletzt merkt man das am reibungslosen Ablauf von der Registrierung bis zur Siegerehrungszeremonie. Die Region lädt zum Biken ein – obwohl das Relief in der Region grundsätzlich gemässigt ist, hat das Faltenjura seine Eigenheiten. In der Regel durchziehen lange Bergrücken die Region, die in Faltenrichtung verlaufen, einseitig sind diese oft steil und weisen auch Felsabbrüche auf. Vier dieser Bergrücken beherbegen die 8 Stages des Rennens. Aufstiegshilfen gibt es keine, die Teilnehmer müssen alle Anstiege mit Muskelkraft bestreiten. Ein weiterer Faktor ist der vorherrschende Kalkstein, der für schwindenden Grip bei zunehmender Nässe bekannt ist.
bluegrass enduro delémon

Technische Passage – Photo by Maxime Schmid

Am Samstag ist es zunächst noch trocken…
Nach der Registrierung gibt es ein kurzes Fahrerbriefing und das gesamte Starterfeld bewegt sich zum Beginn des unteren Teils von Chaud chô show (1) – Da es keine Qualifikation gibt, wird nach Startnummern gestartet. Besonders spannend – ähnlich einem 4x starten immer 3 Fahrer zeitgleich – der Antritt auf ca. 50m Forstweg entscheidet, wer als erstes in den Singletrail kommt und freie Fahrt hat. Die Stage ist kurz, ein paar kräftige Turns auf rutschigem Waldboden, das Schlussstück über einen Schotterweg. Die Zeit bestimmt das Ranking und damit die Startreihenfolge des ganzen Tages. Wow, das hat Spass gemacht.
… doch schliesslich schüttet es in Strömen!
bluegrass enduro delémon

Eine tolle Gegend – Photo by Maxime Schmid

La Béchatte (2) liegt auf der anderen Seite des Tals, die Stage wird nach etwa 350 hm Anstieg im strömenden Regen erreicht. Nach ein paar Turns kommt ein Uphill, treten ist fast unmöglich, da die Pneus im Matsch keinen Grip finden – also zu Fuss hoch. Nach ein paar Kehren wird es technisch mit steilen Passagen und fiesem Kalksteinen und Matschsosse dazu. Es gibt Wurzelpassagen, enge Traversen und flowige Turns. Viele stürzen in dieser Stage – manche Teilnehmner geben bereits nach Stage 2 auf.
Vicquemestre (3) befindet sich auf dem gleichen Berg, verläuft jedoch in anderer Richtung. Es ist ein gebauter Trail mit Anliegern und Sprüngen, es gibt auch Gaps, doch diese sind zum Glück für das Rennen (und unter diesen Bedingungen) abgesperrt. Der Belag des gebauten Trails ist durchgehend schmieriger Matsch, viele haben hier Probleme auf dem Bike zu bleiben. Wie es wohl wäre, diese Stage im trockenen zu fahren..?
bluegrass enduro delémont

Kaum einer, der nicht stürzte – Photo by Maxime Schmid

Wir wechseln den Berg für Crête des Cendres (4). Da die Transferzeit für rund 600 hm etwas knapp bemessen ist, reagieren die Organisatoren und verschieben den Start um 30min. Die Starter sind erleichtert. Bereits im Aufstieg auf dem Forstweg kreuzen wir die Strecke zweimal und sehen eine sehr technische Stelle – wer wird diese im Rennen fahren? Die Spannung steigt. Die Stage verläuft entlang eines Kamms, technische Passagen wechseln sich mit flowigen ab, es macht Spass. Zum Glück hat es etwas abgetrocknet und es ist weniger rutschig. An der technischsten Stelle stehen Zuschauer und man wird gehörig angefgeuert. Wow, eine Superstimmung.

Nach der Stage geht es zurück zum Veranstaltungsort mit provisorischem Campingplatz auf der anderen Seite von Delémont. Nochmal 120hm. Mach einer fragt sich, ob das sein muss… Doch dort warten provisorische Duschen in einem Stall und das Abendessen. Kohlenhydrate auffüllen und ein Bier trinken, denn der erste Tag ist überlebt.

Nach dem Frühstück gibt es ein kurzes Briefing und es folgen 160hm zu Le Béridier (5). Gestartet wird nun nach dem Ergebnis des Vortags. Die Stage ist kurz und endet in Delémont. Gleich zu beginn geht es etwas hakelig entlang eines Grats, bevor der Trail steiler wird. Steine, Singletrail, Treppen, Asphalt – alles dabei. Noch nicht jeder findet in den Flow. Doch der Boden ist griffiger geworden – also weniger Rutschpartie heute?
bluegrass enduro delémont

Tolle Trails – Photo by Emmanuelle Larfi

Zum Start von Vorbourg (6) geht es 500hm hoch auf einen Bergrücken. Der Anstieg ist steil, viele stossen das Bike. Der Trail startet flowig mit viel Pedalieranteil und wird dann technischer, um im Enstück schön hängend mit weiten Turns über Gras ins Ziel zu führen. Nicht jeder übersteht die Stage unbeschadet – der noch vor der Stage Zweitplatzierte scheidet hier verletzungsbedingt aus. Gute Besserung!
Wieder wechselt der Berg, der Anstieg (570hm) ist sehr steil und pedalieren ist kaum möglich. Das zehrt an den Reserven für Roc de Courroux (7) . Die Stage entpuppt sich als Flowtrail, er ist weniger technisch und dafür schnell, der Boden ist griffig – eine willkommene Abwechslung. Das hat Spass gemacht!
Der obere Teil von Chaud chô show (8) ist die letzte Stage, die mit 500hm erreicht wird. Wieder wird die Reihenfolge geändert, man startet gemäss aktueller Platzierung. Diese letzte Stage beginnt mässig steil, um dann in steile Hänge mit gebauten Kurven abzutauchen. Es folgt ein kurzer Sprint über eine Wiese, ein knackiger Anstieg, ein Stück Trail auf einem Grat, dann ein Forstweg und das Ziel.

Eine tolle Gegend mit abwechslungsreichen Trails, wechselhaftes Wetter und die perfekte Organisation des Equinoxx Teams bescherte uns ein spannendes Rennwochenende, an dem der Spass nicht zu kurz kam. Es waren 3260 Höhenmeter und 83 km – Für manche war es hart, das Fahrerfeld wurde von Stage zu Stage kleiner. Die glücklichen Sieger waren Camille Balanche (Frauen), Emmanuel Allaz (Männer), Ulysse Perrelet (Junioren) und Raphael Salamin (Masters).

Wir hoffen, dass das Beispiel aus dem Jura Schule macht und es in Zukunft mehr solche Rennen in der Schweiz (vor allem auch in der Deutschweiz) gibt.

www.equinoxx.ch

Bluegrass Enduro Tour

Fotos des Beitrags: Maxime Schmid, Emmanuelle Larfi, Jan Kiefer

Author: jan

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Erstellt von am 25. September 2015