Kurzentschlossen haben wir uns (Roger Sigrist, Daniel Weiss, Samuel Amstutz und Urs Mani) am neunten 24 Stunden „race the night“ in Semmering Österreich angemeldet. Wenige Tage später sind wir, nach eifriger Besorgung von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterial, bereits unterwegs in die östlichen Alpen.

24h downhill race the night semmering 2015

24 Stunden Race The Night Semmering – es geht los!

Angekommen, machen wir uns als erstes ein Bild des Rennparks und holen gleichzeitig unsere Startnummern im Rennbüro ab – mehrmals werden wir ungläubig gefragt: „Was!? Ihr fahrt das Rennen wirklich ohne Betreuer!?“

Später finden wir uns in einem formidablen Restaurant ein, um nochmal so richtig deftig zu Speisen. Wie immer in Österreich, sind Essen und Service spitze.
Zwei Stunden nachdem wir uns schlafen legen, kommen unsere Nachbarn von der Ridersparty zurück und nehmen diese gleich mit. Um 5 Uhr morgens sorgt dann die Polizei endlich für Ruhe.

Um 10 Uhr morgens machen wir uns auf, um unsere einzige Trainigsrunde zu absolvieren. Die Strecke stellt sich nicht als sonderlich schwierig oder spektakulär heraus, aber in Anbetracht dessen, dass unser Team diese Piste ca. 160 Mal bewältigen muss, sind wir froh drum.

24h downhill race the night semmering 2015

Keine herausfordernde Strecke – solange man sie nicht stundenlang fährt

Um 11 Uhr findet das Ridermeetig statt, um die letzten Unklarheiten zu erläutern. Nach kurzem hin und her entscheiden wir, dass Roger der erste Fahrer sein soll und somit am Massenstart à la Le Mans teilnimmt.

Unten im Tal bereite ich noch die letzen Dinge vor und frage mich, ob der Startschuss nun gefallen ist und richte meinen Blick auf den Berg: Absolute Stille – nur den Speaker höre ich weit entfernt. Und dann sehe ich es: Eine riesige Staubwolke, welche sich schnell ins Tal bewegt. Der Start ist erfolgt und der Staub wird nicht mehr gehen.

24h downhill race the night semmering 2015

Gleich geht’s los…

24h downhill race the night semmering 2015

Massenstart – Aufregung ist garantiert

Obwohl Roger einen schlechten Startplatz hat, kommt er mit einer sensationellen Startzeit von 4’07“ das erste mal ins Ziel. Mit den darauf folgenden Zeiten stellt sich schnell heraus, dass Roger im vorderen Drittel unterwegs ist. Seinen ersten Einsatz besteht er ohne Sturz oder Panne und fährt unser Team von Platz sechs auf Platz vier.

Nun kommt Daniel zum Zug. Es gelingen uns immer sehr schnelle Wechsel. Kurze Zeit später kommt Daniel das erste mal durchs Ziel. Wir rennen alle mit ihm zur Gondel und fragen nach seinem Befinden, geben ihm einen Becher Wasser und checken sofort die Timetable… Was ist Danis erste Zeit? 3’52“! Super! Auch er vorne mit dabei. Danis Stunde verläuft ohne Zwischenfälle – geprägt von seiner Konstanz, bringt er uns auf Platz drei.

Die Übergabe des Zepters an Samuel verläuft bereits routiniert. Samuels erste Runden verlaufen im gewohnten 3’46“ – 3′ 55″ Bereich.

24h downhill race the night semmering 2015

Runde um Runde konstante Zeiten fahren und nicht stürzen ist das Ziel

Jetzt komme ich das erste mal an die Reihe. Gleich bei der ersten Abfahrt stürze ich, wobei ich mir eine ordentliche Schürfung und eine Prellung am Fußgelenk zuziehe. Aber die Zeiten bleiben über die ganze Stunde konstant im gewohnten Bereich und wir können unseren 3. Platz halten.

In der siebten Stunde des Rennens holt uns der ersten Platte Reifen in die Realität zurück und wir fallen auf den vierten Platz zurück. Stunde um Stunde vergeht, die Nacht bricht herein und wir ahnen, dass noch harte Zeiten auf uns zukommen werden. In der Nacht treten diese auch ein – in Form von Kälte und ewigem Morgengrauen, das nicht enden will. Doch die Sonne richtet alle Dinge und voll motiviert gehen wir unsere letzten Stunden an.

24h downhill race the night semmering 2015

In den Abendstunden zieht es sich hin – man bekommt das Gefühl, es höre nie mehr auf

24h downhill race the night semmering 2015

Sonnenuntergang? Keine Zeit zum geniessen…

Die Positionen veränderten sich über Nacht kaum, aber wir sind sehr nahe am dritten Platz und haben unseren Vorsprung auf die Fünftplatzierten massiv ausgebaut. „Die letzten Stunden werden die härtesten sein“, hatte uns ein langjähriger Teilnehmer gewarnt. Doch sie waren nicht hart, nein, sie dauerten einfach ewig.

Doch alles hat ein Ende, so auch ein 24 Stunden Bike Abenteuer. Mit gemischten Gefühlen, irgendwie froh endlich mal einen Moment nicht mehr biken zu müssen, saumüde und bettreif und doch irgendwie euphorisch mit Siegesgefühlen. Wir haben es endlich geschafft.

24h downhill race the night semmering 2015

24h downhill race the night semmering 2015

Eine lange Nacht, aber wir haben es bald geschafft.

Also beschliessen wir, nicht gleich mittags um halb Zwei ins Bett zu gehen, sondern gönnen uns ein eiskaltes Bier, um den Staub runterzuspülen und das erste mal wieder zu viert zusammenzusitzen. Wir ziehen unser erstes Fazit und kommen zum Schluss: Das Wichtigste an so einer Herausforderung ist ein gutes Team, welches sich auch in brenzligen Situationen blind versteht und positiv beeinflusst. Nur dann stehst du morgens um drei mit einem Lächeln auf und gehst den verfluchten Trail zum x-ten mal shredden.

Race the night 24h Semmering 2015 from Lukáš Janalík on Vimeo.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Mit diesem Gedanken nutzen wir der darauffolgenden Erholungstag um nach Leogang zu Reisen und vergnügten uns drei Tage lang dort, als hätten wir seit Ewigkeiten aufs biken verzichten müssen.

Nun, einige Wochen nach dem 24h Rennen ist bereits klar: Wir sind wieder dabei nächstes Jahr!

Fotos: http://www.fueloep.com/racethenight.html

Fotos: https://www.facebook.com/photobymfp

Bericht: Urs Mani (FRT FreeRideTours.ch)

http://www.bikeparksemmering.at

Author: flowzone

riding passion switzerland
flowzone is all about mountain biking

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Erstellt von am 10. September 2015