Bereits am Mittwoch Vormittag machten sich einige von uns auf den Weg Richtung Bündnerland. Den ersten Weltcup in Lenzerheide durften wir einfach nicht verpassen und warteten seit über einem Jahr auf diesen Event. Wir wurden nicht enttäuscht.

Mittwoch

Claudios POV Run haben wir leider knapp verpasst, zu gerne hätten wir unsere nackten Hintern ebenfalls in einem seiner Läufe verewigt. Am Nachmittag durften wir jedoch mit den Athertons, dem Devinci Team und den Hannah’s auf den Track Walk begeben. Nie hätten wir gedacht, dass das so spannend sein könnte.

Während sich die Junioren und auch einige Damen mit der Linienführung schwer taten, waren die Profis völlig abgeklärt und wussten genau, wovon sie sprachen und wie man die Strecke lesen musste. Das grösste Gedränge bestand eindeutig im Rock Garden, wo viele mehrmals hoch- und runterliefen um die Optionen abzuwägen.

Donnerstag

Der Trainingstag ist eindeutig der Beste an einem Worldcup Weekend, um die Action reinzuziehen und möglichst viele Fahrer zu sehen. Von morgens um acht bis am späten Nachmittag düst ein Fahrer nach dem Anderen die Piste hinunter. Manchmal im Abstand von nur wenigen Sekunden oder sogar ganze Teams gleichzeitig. Wir hatten das gesamte Gelände für uns, keine Stewards die einen wegschicken und auch keine Zuschauer.

Eindrücklich war hier, wie schnell das Spitzenfeld von Anfang an war. Während sich viele noch nicht sicher über ihre Linienwahl waren, schossen Aaron Gwin, Josh Bryceland und Greg Minnaar bereits im hohen Tempo durch die Wälder. Interessant waren auch die Praxistest vieler Teams: 3-4 Fahrer knapp hintereinander und jeder wählt eine andere Linie als der Vordermann. So finden sie schnell heraus, welche Linie zu viel Zeit kostet.

Der Himmel war erneut wolkenlos und die Temperaturen über 30° – ohne einen Tropfen Regen seit Tagen, war die Strecke für schweizer Verhältnisse ungewöhnlich staubig und trocken. Die ersten grossen Löcher kamen zum Vorschein und darunter auch einige neue Wurzelpassagen. Was am Morgen noch weicher Waldboden war, verwandelte sich im Laufe des Tages zu Staub.

Freitag

Jetzt gehts für die Fahrer bereits um sehr viel: Seit für die Qualifikations-Ränge ebenfalls Weltcup-Punkte vergeben werden, ist es vorbei mit taktieren und Geheimniskrämerei – Jeder will die Bestzeit und man bekommt einen Eindruck über das aktuelle Fahrerlevel. Loic Bruni und Aaron Gwin sind ganz gewiss nicht zufällig auf den ersten beiden Plätzen gelandet. Keiner der anderen Fahrer war so aggressiv und gleichzeitig schnell und kontrolliert. Auch wenn es am Donnerstag mehr Stürze gab, musste an diesem Tag der Helikopter öfter losfliegen – Stürze bei 60 – 70 km/h im losen Sand enden selten verletzungsfrei.

Am Abend hatte die Santa Cruz Bar endlich geöffnet und hauchte dem äusserst tristen Nachtleben in der Gegend ein wenig Atem ein. Cooler Sound, aufgestelltes Personal und superleckere Pulled Pork Sandwiches. Well done Santa Cruz!

Samstag

Heute gehts um die Wurst. Wir haben uns in Schale geworfen und zotteln treu unserem Thema mit Kuhglocken und Bauernkleidung durch die Fahrerlager. Das macht einen Heidenspass, wenn einige völlig verdutzt und verständnislos gucken, während andere sich kaum halten können und unbedingt noch ein Erinnerungsfoto schiessen wollen. Wir haben grossen Spass und können das eine oder andere Grinsen auch bei den Zuschauern und Teams herzaubern.

uci downhill world cup lenzerheide 2015

so muss das

Die Junioren geben bereits tüchtig Gas und zeigen mindestens soviel Kampfgeist wie die Grossen. Die Zuschauer sind bereits jetzt fasziniert von der Action, welche die abwechslungsreiche Strecke in Lenzerheide bietet. Die vielen Sehenswürdigkeiten der Strecke, wie die der Schräghang am Start, das Steinfeld, die fiesen Waldpassagen oder die grossen Sprünge, ziehen die Menge magisch an und bringt sie in Stimmung.

Eine knappe Stunde später starten die Damen. Rachel Atherton sticht da auch auf der Strecke aus der Menge, das sie eine überlegene Fahrtechnik an den Tag legt und auch sonst viel natürlicher mit dem Bike umzugehen scheint. Auf dieses Level kommen nur Seagrave, Carpenter und Ragot. Ragot macht kurz vor der grossen Brücke einen Fehler und somit steht die Siegerin fest: Rachel Atherton.

Bei den Herren geht dann die Post ab. Trotz der ungewöhnlich grossen Hitze klatschen, schreien und pfeiffen die Zuschauer und sind ganz angetan von der gebotenen Action und dem Speed. Wer es noch nie erlebt hat, wird von den Socken gehauen. Wenn man keine zwei Meter neben einem Absprung steht, welchen die Fahrer mit fast 70 Stundenkilometern anfahren, spürt man nicht nur den Wind, sondern auch die Vibrationen im Boden, was ganz schön eindrücklich ist.

Mit jedem Fahrer steigt die Stimmung an der Strecke und die Bestzeiten purzeln. Bis der junge Devinci Fahrer Dean Lucas an den Start geht und mit drei Minuten und zwei Sekunden eine Wahnsinnszeit hinlegt. Keiner der folgenden zwölf Fahrer kann seine Zeit schlagen, darunter grosse Namen wie Gee Atherton, Troy Brosnan und Danny Hart. Greg Minnaar stiehlt erneut allen die Show, indem er mit seiner gewohnt unspektakulären Fahrweise nach knapp 3 Mintuen über die Ziellinie fährt. Die Sekunden, bis er realisiert dass er die Bestzeit aufgestellt hat, scheinen ewig zu dauern – danach ist die Freude jedoch riesig. Die einzigen ernstzunehmenden Gegner sind noch die beiden letzten Fahrer, Gwin und Bruni. Aaron Gwin macht im Steinfeld einen Fehler und konnte den Rückstand nicht mehr aufholen. Loic hätte es geschafft, wenn er nicht mehrere kleine Fehler gehabt hätte. Somit kann Greg Minnaar seinen 18. Weltcup Sieg feiern und besteigt den Thron als ungeschlagener Spitzenreiter in Sachen Weltcupsiege.

Nach den Siegerehrungen und offiziellen Feierlichkeiten laufen viele Fahrer durch die Zuschauermengen und lassen es sich nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu geniessen. Auch am Abend trifft man sie auf dem Gelände oder im Ausgang an und muss sich keineswegs scheuen, sie anzusprechen. Die Bodenständigkeit und Symphatie, welche ich früher einigen wenigen Fahrern zugeschrieben habe, scheint sich durch das gesamte Fahrerfeld zu ziehen. Keiner der Elitefahrer scheut eine Antwort und lässt einen auch nicht mit einem knappen „Ja“ stehen. Im Gegenteil, sie interessieren sich für ihre Fans und fragen auch mal nach, welches Bike man selber fährt oder wo man oft unterwegs ist. Ein grosses Lob an diese auf dem Boden gebliebenen Fahrer, welche ganz offensichtlich grossen Spass an ihrem Beruf haben.

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Free Beer for the Winner! Der Mann kann nicht nur spitzenmässig fahren, er ist auch noch gesellig und symphatisch – Greg Minnaar – Living Legend!

Ein rundum gelungener erster Weltcup in Lenzerheide ist vorbei und wir haben es von Anfang bis Schluss genossen. Die vielen netten Leute, die wir kennengelernt haben, die vielen tollen Erlebnisse am Streckenrand, das geniale Sommerwetter und auch Lenzerheide selbst. Keine Frage, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sein werden!

Vielen Dank an Lenzerheide Tourismus und Strobel PR für die Gastfreundschaft und Unterstützung! Vielen Dank aber auch an die UCI, Shimano und die Teams, dass sie das alles ermöglichen. Downhill ist ein spektakulärer und ehrlicher Sport und hat solche tollen Events verdient.

 

Fotos: David Thalmann, Serkan Ucmak, Michael Kägi (reckless-pictures.com)

Weitere Fotos vom Weekend

Mehr Fotos vom Track Walk und Training

Die offiziellen Resultate und Startlisten

Das Replay des Rennens kann man sich wie immer auf Red Bull TV anschauen

 

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

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Erstellt von am 9. Juli 2015