Der wohl beste MTB Event des Jahres fand am 22./23. August in Méribel statt, im Herzen der 3 Vallées – davon sind viele Zuschauer, Fahrer und auch Kommentatoren überzeugt. Wir versuchen die Stimmung und Highlights zu vermitteln.

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Das Zielgelände verwandelte sich beim Final in einen Hexenkessel

Qualifying

Wir trafen am Freitag nach einer fünfstündigen Fahrt vor dem Mittag in Méribel ein und waren von Anfang an vom Worldcup-Gelände fasziniert. Alles war nah beieinander und man musste keine 500 Meter laufen, um vom einen Ende ans andere zu kommen. Die Stimmung loderte bereits und war ansteckend – wir kamen sofort ins Downhill-Fieber und wurden vom Getöse, Geschreie und der Action eingesogen.

Das Qualifying der Junioren und Damen war etwas zaghaft. Die Fahrer gingen nicht ans Limit, die Zuschauer hingegen schon. Die familäre Athmosphäre und die lockere Stimmung sorgte am Streckenrand für viel Unterhaltung und das leicht bewölkte und nicht zu heisse Wetter machte das Zuschauen zu einem Genuss. Die Strecke fand bei den Fahrern grossen Anklang und war auch für die Fans perfekt: Alle Teilstücke der Strecke waren von beiden Seiten her zugänglich und man stand immer in der vordersten Reihe. So kommt nicht nur der Speed besser zur Geltung, man bekommt auch einen sehr guten Einblick, wie technisch und anspruchsvoll dieser Track ist. Es war ein visueller und akkustischer Leckerbissen für Downhill-Enthusiasten.

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Immer in der ersten Reihe – so nah kommen die Fans nicht bei jedem Rennen

Als das Qualifying der Männer begann, wurde klar, wieviel weiteres Potential in Tempo, Linienwahl und Action stecken. Schlag auf Schlag kamen die schnellsten Downhiller durch den Wald geschossen – Bryceland, Brosnan, Gwin, Hill. Das ansonsten ruhige Waldstück im Rockgarden verwandelte sich in ein akkustisches Inferno – die Franzosen lieben den Sport und die Fahrer und schreien sich am Streckenrand die Seele aus dem Leib. Beeindruckend!
Von der Spannung der Qualifikation haben wir natürlich nicht viel mitbekommen. Als wir im Ziel aber erfuhren, dass Ratboy Josh Bryceland den zweiten Platz belegte, waren wir ziemlich überrascht.

Vor unserer Nase hatte er sich nach dem Rock Garden hingelegt – trotzdem Platz 2. Was für ein Tier.

Raceday

Schönstes Wetter und angenehme 17 Grad bei Sonnenschein – trockene Strecke, Rucksack voll Bier und das letzte UCI Downhill Rennen 2014 vor der Tür. Wir waren gespannt wie Flitzebogen und freuten uns auf die über 150 Fahrer. Bei den Rennen der Junioren und Damen standen wir wieder am Streckenrand und die Eindrücke vom Vortag verstärkten sich noch. Noch mehr Fans, noch mehr Getöse, noch mehr Action. Man sah auf den ersten Blick, dass die Fahrer jetzt über ihr Limit gingen.

Wer das noch nie erlebt hat, MUSS seinen Hintern zum nächsten Worldcup bewegen, welcher in der Nähe stattfindet

Zum Beispiel zum UCI MTB Downhill Lenzerheide am 4./5. Juli 2015. Weder die Stimmung noch die Action lassen sich irgendwie in Worte fassen.

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Rachel war das ganze Weekend in Höchstform und hat den Sieg nach Hause getragen

Für die letzten 30 Männer haben wir uns im Zielgelände positioniert. Mit Grossleinwand und Kommentatoren kam plötzlich Spannung auf. Die Zeiten purzelten, bis sich Markus Pekoll auf den Hotseat setzte. Seine Zeit konnte erst vom zehntletzten Fahrer geschlagen werden: Gee Atherton gelang ein toller Lauf – mit einer Zeit von 3:17 war er bereits 4 Sekunden schneller als der Schnellste vom Freitag. Die nachfolgenden Fahrer konnten seine Zeit nicht schlagen, auch wenn es beispielsweise Aaron Gwin mit seinem Wahnsinnslauf fast geschafft hätte, als er im unteren Streckenabschnitt 1,5 Sekunden gutmachte.

Dann kam Sam Hill

The King of the Hill – The Wizard of Oz – Sam Hill hat es wieder geschafft. Nach jahrelangen Bemühungen, endlich wieder auf dem Podium zu stehen, hat er diese Saison zum zweiten Mal bewiesen, dass er wieder zu seiner Höchstform zurückgefunden hat. In Meribel hat er auf einer erneut sehr technischen Strecke seine Qualitäten gezeigt. Den Vorsprung von über einer Sekunde hat er im unteren, sehr steilen und rutschigen Part der Strecke herausgefahren. Josh Bryceland hätte ihn wohl schlagen können, wenn er am Ende nicht auf Sicherheit gespielt hätte, um den Gesamtsieg im Worldcup nicht zu riskieren. Cleverer Schachzug und perfekt für Sam Hill. Wir haben uns enorm darüber gefreut und hoffen, dass er diese Konstanz bis zu den Weltmeisterschaften in Hafjell am 7. September aufrecht erhalten kann.

Über die Geschehnisse nach der Award-Zermonie im Santa Cruz Zelt möchten wir an dieser Stelle lieber nicht zu viel erzählen (weil nicht jugendfrei), aber es sei gesagt, dass Ratboy verdammt viel reinhauen und dennoch an der Spitze der Weltelite mitfahren kann. Respekt. Ein sympathischer, herzlicher und bodenständiger Junge mit viel Potential – kein Wunder bei dem Ziehvater. Wir mögen es ihm enorm gönnen, vorallem weil niemand damit gerechnet hat. Well done Ratty!

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Peaty war sichtlich stolz auf seinen Zögling Josh Bryceland

Chapeau, Méribel

Wir waren schon an ein paar Worldcups und Weltmeisterschaften und sie sind alle beeindruckend – aber Méribel war mehr. Noch nie war die ganze Szene so nah beieinander – mitten im Dorf standen die Teamzelte und die Crosscountry-Rennen fanden praktisch in und um die Trial- und Downhill-Events statt. Tolle Infrastruktur, perfekt organisiert und nachahmungswert. Was aber ausschlaggebend war, sind die durchgeknallten Fans. Noch nie war es an der Strecke so ohrenbetäubend laut – Die Fans haben sich die Seele aus dem Leib geschrien. Verkleidungen, Trompeten und Schlaginstrumente wo man hinsah. Das war eindrücklich und mitreissend. Chapeau!

Eindrücke vom UCI MTB Downhill Weltcup Méribel

Méribel DH Worldcup: Live & Raw from flowzone on Vimeo.

Vielen Dank an Kägi und Dave für die tollen Fotos und an Dave für den witzigen Film. Bis nächstes Jahr in der Lenzerheide.

www.meribel.net

 

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

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Erstellt von am 2. September 2014