Freeride Mountain Bike: Der Tod des Freeriders - Warum werden fast keine Freeridebikes mehr hergestellt?

Das Freeride Mountain Bike

So um die Jahrtausendwende kam ein sehr spezielles Bikemodell auf die Welt: Der Freerider. Heute ist er nahezu ausgestorben.. Aber warum?

Als Dave 2004 sein aus Nelson, Kanada importiertes Santa Cruz VP-Free aufbaute, war ich ganz schön neidisch. Um die 17 Kg, vorne 180mm und hinten sogar über 200mm Federweg – und das sogar noch uphilltauglich, dank des VPP Systems. Rein gewichtstechnisch war das bereits ein Quantensprung. Ich fuhr zur selben Zeit mit einem Rocky Mountain RM 7 rum. 180 mm hinten und vorne, aber ein Gewicht von gut und gerne 20 Kg – absolut inakzeptabel, aber zu jener Zeit einfach ein Muss. Das VP-Free geniesst noch heute einen ausserordentlich guten Ruf, obwohl es seit Jahren nicht mehr produziert wird.

Ausgangslage

In den letzten Jahren bot praktisch jede Bikemarke ein Modell in diesem Sektor an: 180 mm Federweg hinten und vorne und unter 17 Kilogramm – ein richtiges Freeridebike halt. Uphilltauglich dank gemässigter Geometrie und einigermassen neutralem Antriebsystem – downhilltauglich dank flachen Winkeln, langem Radstand und reichlich Federweg.

Ich habe mir in dieser Zeit ein Specialized SX Trail zugelegt, meine Madamme ein VP-Free, Dave hat mit dem Nomad auf ein Enduro-Bike gewechselt. Alle jedoch Freeridetauglich aufgebaut und auch so genutzt.
VP-Free? Gibt es nicht mehr.
SX Trail? Gibt es nicht mehr..
Immer mehr Modelle in diesem Sektor fallen den Marketing-Heinis und Kostenüberwachern bei den namhaften Marken zum Opfer. Rocky hat nur noch die Downhill-Flatlines. Trek hat nur noch die Downhill-Sessions…

Bei Santa Cruz reicht die Freeride-Kluft zur Zeit vom Nomad bis zum V10. Zugegeben, ein Nomad ist immernoch ein leichter Freerider.. aber eben kein VP-Free. Bei Specialized hat man das Status hingestellt – aber mit einem Billigkomponenten-Aufwasch und kaum technischen Innovationen wird es wohl ein Bike für das kleine Budget bleiben – Viele Kompromisse für wenig Geld.

Geht mal auf SantaCruzBicycles.com und schaut euch die Bikes mal genauer an. Zwischen 160 und 200mm gibt es nichts im Angebot.

Das ultimative Freeride Mountain Bike: Santa Cruz VP Free - Blau Singlecrown

Santa Cruz VP Free – Massig Federweg und trotz hohem Gewicht noch locker bergauftauglich – dank dem VPP System

Alternativen und Optionen

Wo finde ich denn nun mein Freeride Bike? Ein Bike mit 180 Millimeter Federweg hinten und vorne, einigermassen leicht und vorallem stabil? Ein Bike, welches sich auch gut hochfahren lässt, aber bergab nichts zu wünschen übrig lässt. -> Such mal schön..

Der Markt der Enduro- und All-Mountain Bikes ist am boomen wie noch nie. Aber nicht nur die Quantität hat zugenommen, auch die Qualität. Luftdämpfer und -Federungen stehen ihren Stahlfeder-Pendants in nahezu nichts mehr nach. Das Gewicht dieser Bikes liegt oft bei weit unter 16Kg – ohne massiv an Haltbarkeit oder Stabilität zu verlieren. Verstellbare Sattelstützen, bessere Reifenmischungen, aggressivere Bremsen und ein durchgehend besseres Qualitätsniveau sorgen dafür, dass ein „richtiger Freerider“ etwas alt daneben aussieht.

Der Entwicklung folgend, habe mir letztes Jahr ebenfalls ein All-Mountain Bike gekauft – für Touren, mittelmässige Abfahrten und die Ferien. Was mach ich aber, wenn ich nun mit dem Ding in den Bikepark will? Kann man machen… ist aber nicht zu empfehlen. Die leichten Bremsen geben schon bald den Geist auf, die Reifen muss man sowieso wechseln und der Federweg mag zwar „genügen“, ist aber tatsächlich einfach zu wenig für hohe Drops und weite Sprünge. Die Wendigkeit benötigt man im Bikepark meistens auch nicht, dafür aber mehr Laufruhe.. Somit gibt es in Zukunft für den Bikeparkausflug eigentlich nur noch eine sinnvolle Lösung: Ein Downhiller. Aber wer leistet sich schon für 10-20 Tage im Jahr eine teure Downhillmaschine?

Freeride Mountain Bike: Specialized SX Trail 2011 - Grün

Das Specialized SX Trail 2011 – Eines der vielseitigsten Freerider gibt es ab 2013 nicht mehr

Was tun?

Ganz einfach. Genau wie früher, werden die Biker die neuen Bikes vergewaltigen. Wir sind damals mit Highend-Carbon-Racebikes in die Bikeparks gegangen. Fette Komponenten drauf, dicke Reifen und Downhillschläuche und ab dafür.. Das kann man mit den neuen, leichten All-Mountain und Enduro-Bikes ebenfalls machen.. Bleibt zu hoffen, dass sie die hohe Belastung gut wegstecken und nicht nach und nach in die Knie gehen.

Ausserdem gibt es immernoch sehr viele echte Freeridebikes von anderen Herstellern – Kona (Entourage), Commencal (Supreme), Scott (Voltage) uvm.

Obwohl es mich enorm reizen würde, für den gelegentlichen Ride im Bikepark ein Demo oder ein Session reinzuziehen, lohnt es sich für die wenigen Einsätze einfach kaum.

Stand 2014: Diese Meinung muss ich revidieren. Ein Downhiller verhält sich im Park ganz anders, als jedes andere Bike. Es fühlt sich einfach wohl und bietet einem Reserven, zu denen andere Bikes nicht im Stande sind. Man kann seine Grenzen ausloten und hat ganz einfach mehr Spass mit einem Downhiller auf einem Downhilltrail.

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

26 Kommentare:

  • Norco Truax nicht vergessen! 180mm fw vo u hi, robuster rahmen, gnädig pedalierbar im uphill und super dh eigenschaften!

  • Dann hol Dir einfach das Transition Blindeside, ist genau das, was Du suchst

  • @d: das truax war mir etwas auf der schweren seite… aber sonst bestimmt ein geiles bike

    @sven: Das Transition macht ein gute Gattung, ausser dass es nach einem hohen Schwerpunkt aussieht…

  • fahr’s mal Probe und vor allem schau dir mal das Produktvideo auf der transition hp an. eins der geilsten freeridevids imho

  • Ogee, das mach ich gleich :) Thanks!

  • Intense hat mit dem Uzzi auch ein Freerider

  • @sven: ja das video macht lust. auch wenn er da mit doppelbrücke unterwegs ist, machts einen spassigen, agilen eindruck (http://www.pinkbike.com/video/97011/). Mal gucken, wo ich so ein Teil mal anfassen kann…

    @Reto: Stimmt, das Uzzi! Sehr geiles Bike.. halt nicht gerade für den kleinen Geldbeutel.

  • zum Zeitpunkt als das Vid gedreht wurde hatte das Blindside wahlweise noch 200mm da macht eine Doppelbrücke noch mehr Sinn als heute. Das aktuelle BS hat ja wahlweise 180/190 und ist auch leichter geworden. Ich kenne Biker, die fahren damit bei leichtem Aufbau (um die 15 Kilo) sogar Alpen-X. Für den Park hast du mit 16,5 bis 17 schon was stabiles. Das Ding ist schon sehr universell.

  • Also ich finde für 10-20 Tage im Bikepark lohnt es sich auf alle Fälle ein DH- oder Big Bike zuzulegen! Muss ja nicht gleich ein Karbon Trek oder V 10 sein;) Für knapp 2000.– Franken hab ich ein Norco DH Race 2011 gekauft und der Hobel rockt wie Anton. Da kann ich auf mein AM Bike noch so dicke Reifen aufziehen, es fägt einfach nicht mit so einem Bike die Parks zu rocken.
    Die Idee 1 Bike für alles ist bei mir schon lange passee, das gibt es schlicht und einfach nicht!

  • knolly v-tach, commencal supreme FR, mondraker prayer oder zenith, transition tr250, scott voltage, morewood kalula oder zama wären so ein paar die sich sicher als freerider aufbauen lassen würden.

  • Wow, da kommen ganz schön Inputs zusammen. Danke Leute!

    Also das Blindside ist bei mir auf jeden Fall auf der Watchlist gelandet, thanks Sven

    @Tom: Da hast Du natürlich absolut recht. Im Park geht nichts über einen waschechten Downhiller. Bin es mir für nächstes Jahr ernsthaft am überlegen.. 1 Bike für Alles hab ich auch schon aufgegeben ;-)

  • @Manuel: nen Dhler zum Freerider zu machen, der sich auch noch die Berge hoch treten lässt (was ich z.b mit nem TR 250 nicht machen will), macht noch weniger Sinn, als ein AM für den Park umzubauen.

  • TR250 ist aus meiner sicht kein DH bike. TR450 wäre der downhiller. TR250 hat hinten wahlweise 160/180 mm FW, 64-65° LW und ist für 160-180er gabeln. aus meiner sicht ist das so ziemlich treffend für einen freerider, das hat nichts mit umfunktionieren zu tun.

  • nachtrag: geht schwer in richtung trek session FR oder speci sx trail, welche ja oben erwähnt wurden

  • versuch mal an das TR250 nen Umwerfer zu montieren ;-)
    Bei dem Sitzwinkel sitzt Du bei ausgezogener Stütze quasi direkt überm Hinterrad und trittst von hinten nach vorne. Nein, das TR 250 ist reines Parkbike.

  • für den fall hats ja noch ein paar andere in der liste ;)
    apropos: umwerfermontage am trek session FR ist auch nicht so das wahre, und der sitzwinkel etwa der selbe. umwerfer geht nur e-type und die kette raffelt dann so ziemlich die kettenstrebe durch. und wie gesagt: wenn der autor solche bikes aufzählt, dann dachte ich mal kann man auch ähnlich als vorschlag liefern ;)
    zudem: mit einer 10fach kassette braucht man m.M.n. nicht unbedingt zwei kettenblätter vorne, auch an einem freerider nicht. aber ja, in den beinen braucht man’s dann halt schon ;)

  • Ja in das neue Enduro Evo steck ich noch die grösste Hoffnung. Dennoch scheint mir die Gesamtauswahl eher kleiner, als grösser zu werden..

  • Intense UZZI VP
    Votec VSR
    Alutech Fanes
    Rotwild RE1
    Nicolai HeliusAFR
    Nicolai Helius AM
    SX-Trail
    YT-noton
    Froggy 518
    trekScratch (L 19.5)
    Torque Alpinist
    Laidville 601
    und und und

    Was genau ist dein problem?

  • Ich schreib ja nicht von einem Problem, das ich hab, sondern von einem allgemeinen Trend, der mir aufgefallen ist. Wie gesagt, das SX wird nicht mehr produziert und ein paar von dir genannte sind ebenfalls klar auf der All-Mountain/Enduro Schiene.

  • Oder anderst gesagt, de freerider von damals sind ein relikt, weil du mit den enduros von heute mehr machen kannst. Vergleich mal die geometrie daten.
    mal ehrlich, wer vermisst schon die fluffigen federwege hinten, welche kein richtiges aktives fahren zulassen? mein freerider gammelt vor sich hin, genau aus dem Grund…
    Das SX ist das neue ED, check mal die geo.
    die Zukunft? 150mm hinten 170 vorn.
    gruss an die Magt@home

  • in diesem punkt muss ich dir absolut recht geben. den freerider von damals gibts fast nicht mehr. das war ja meine kernaussage ;)
    jup, flache winkel und moderate federwege machen auf jeden fall mehr spass
    thx

  • tja, auch das Transition Blindside stirbt 2013. Schade

  • Also bezüglich „Ein Downhiller lohnt sich nicht, wenn man nur gelegentlich im Park fährt“ muss ich meine Aussage revidieren. Die modernen Downhiller sind keine aufgemotzten Freerider mehr, sondern eigenständige Produkte mit vielen Vorteilen gegenüber ihren kleinen Brüdern.
    Ich geb‘ mein Demo nicht mehr her! :)

  • sott voltage

  • Ja da hast Du natürlich Recht Marc, klassischer Freerider

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Erstellt von am 18. Juli 2012