Einer der einflussreichsten Fahrer seit der Jahrtausendwende und einer der Besten überhaupt. Sam Hill hat den Sport mit seinem innovativen und inspirierenden Fahrstil mitgeprägt.

Auch wenn man ihn manchmal kaum versteht – sein australischer Akzent ist nicht leicht zu entziffern, zudem nuschelt er noch starkt – ist er einer der symphatischeren Fahrer im Rennzirkus, weil er auf dem Boden geblieben und authentisch ist. Man sieht ihn selten lachen, wenn überhaupt bekommt man ein breites Grinsen heraus. Also ein eher introvertierter und ruhiger Mensch. Auf dem Bike scheint jedoch ein anderer die Kontrolle zu haben: Wie kann man sich sonst den aggressiven Fahrstil und den Kampfgeist erklären? Seine Überlegenheit auf steilen und technischen Strecken macht ihn zu einem aussergewöhnlichen Fahrer.

Er hat den Ausdruck „Inside line“ praktisch erfunden, denn nur wenige können aus einer Downhillstrecke – dank einer gewagten Linienführung – mehr herausholen, als Sam Hill. An Stellen, wo die weltbesten Fahrer kämpfen, fliegt Sam an guten Tagen einfach vorbei oder drüber hinweg. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben. Verstehen kann man es trotzdem kaum. Dieses Video vom Direktvergleich in Méribel zwischen Loic Bruni und Sam macht es nachvollziehbar: http://www.redbull.com/en/bike/stories/1331673941819/head-to-head-bruni-vs-hill-in-m%C3%A9ribel

sam hill

Sam Hill – keine Partynudel – aber symphatisch

Bereits im jungen Alter von 18 Jahren (geb. 21. Juli 1985) erweckte er Aufsehen bei den Weltmeisterschaften in Lugano 2003. Er gewann den Junioren Weltmeistertitel mit einem Sturz und der drittbesten Tagesbestzeit – von allen Fahrern, also auch von der Elite. Wäre er nicht gestürzt, hätte er sogar Greg Minnaars Bestzeit der Pros geschlagen. Mit 18 Jahren!

Die MTB Legende Eric Carter sah Sam an diesem Tag zum ersten mal und meinte nur „Er war in einer Sektion so verdammt schnell, es war hart, steinig, matschig und rutschig, dass ich es gar nicht verstehen konnte… wie brachte er sein Bike da durch?“

Legende

Sam Hill lieferte 2007 in Champéry einen unvergesslichen Run.

Für die ersten 30 Fahrer war es ein normales, trockenes Rennen – wenn auch auf der anspruchsvollsten Strecke der Saison. Die Zeiten purzelten bis der Regen einsetzte. Die Strecke wurde regelrecht gefährlich und von den letzten Fahrern schaften es nicht mehr viele ohne Sturz ins Ziel, von einem Podestplatz ganz abgesehen.

Dann kam Sam Hills legendärer Lauf. Er fuhr dermassen losgelöst, punktgenau und schnell, dass er noch auf den zweiten Platz kam! Es wurde bestimmt noch an keinem Rennen der zweite Platz mehr gefeiert als der Sieg – dazu braucht man nur das Gesicht des Siegers Matti Lehikoinen anzuschauen, welcher nach Sams Lauf völlig perplex ist.

Comeback

In den letzten Jahren war es wieder etwas ruhig um den jungen Australier. Nach seinen Weltmeister Titeln 2006 und 2007 bei Ironhorse, dauerte es drei Jahre bis er mit Specialized 2010 erneut die UCI DH Weltmeisterschaft gewann. Dazwischen hatte er aber viele Erfolge im Weltcup, wo er regelmässig unter den Top 5 landete. 2013 kam aber dann der zweite Frühling: Mit dem Chain Reaction Cycles / Nukeproof Team belegte er wieder regelmässig Podestplätze, zweimal sogar auf dem Siegertreppchen. 2014 kam der Erfolg zurück – vermehrt konnte man ihn bei den Siegerehrungen sehen, wie wir in Méribel,  was aber noch beeindruckender war: Er fand zu seiner alten Form zurück und es machte wieder richtig Spass, ihm beim Fahren zuzuschauen.

sam hill

Sam Hill in Méribel 2014 – wieder on top!

Das ist auch das Besondere an Sam Hill: Es gibt inzwischen viele Weltklasse Fahrer, aber um aus der Menge herauszustechen, braucht es schon besondere Talente. Sam Hill besitzt einen einzigartig aggresiven Fahrstil und steckt – wenn es ein richtig guter Tag ist – die restlichen Fahrer in die Tasche.

Bei seinem Abschied von Specialized gab die Firma sogar noch ein Abschiedgeschenk in Form eines Dankesvideos. Diese Ehre wird bestimmt nicht allen Fahrern teil, aber wenn jemand einen Sport und ein Bike (Specialized Demo) dermassen beeinflusst, ist das wohl ehren

Wir hoffen, dass wir Sam Hill noch lange im Downhillzirkus sehen werden.

Sam Hill’s Facebook Seite

 

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Erstellt von am 18. Februar 2015