Dieser Bericht ist nicht objektiv. Ich liebe das Engadin und bin daher voreingenommen. Dennoch möchte ich Dich auf einen der geilsten Trails im Alpenraum aufmerksam machen: Der Pumptrail Corviglia ist eine Ausnahmeerscheinung.

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Flow und sehr viel Fahrspass garantiert

Klar, Trails sind Geschmackssache. Je nach Können, Präferenzen und Tagesform kann ein Trail einem Biker gefallen und gleichzeitig einen anderen massiv enttäuschen. Das liegt in der Natur der Sache – schliesslich gibt es unzählige Einflussfaktoren, welche in dieser Gleichung ausschlaggebend sind. Einige Dinge kann man jedoch gut quantifizieren: Wie viele Biker mögen den Trail? Wie sehr mögen sie den Trail?

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Schier endlos schlängelt sich der Pumptrail hinunter

Dieser Frage ging ich an diesem Weekend etwas eingehender nach, da mich das Thema Trailbau und Trailkonzepte momentan beschäftigen. Wir trafen an diesem Weekend auf der Corviglia ziemlich viele Biker an: Väter mit ihren Söhnen, ambitionierte Tourenfahrer, Gravity-Biker und Otto-Normal-Fahrer – allesamt hatten nur die besten Worte für den Trail übrig und lobten ihn in den höchsten Tönen. Warum auch nicht? Es ist ein kleines Meisterwerk.

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Anfänger haben Spass und Fortgeschrittene können Gas geben – Win-Win Situation

Zugegeben, die Ausgangslage für den Pumptrail Corviglia war schon ausgesprochen gut: Der ehemalige Trail fühlte sich bereits an wie ein Pumptrack am Berg – wenn auch einige Abschnitte noch nicht perfekt waren.

Mit der Fertigstellung des neuen Pumptrails 2013 haben die Erbauer der neuen Strecke weitaus mehr erreicht, als nur einen weiteren Trail in die Schweizer Berge zu pflanzen. Sie haben das Konzept hinter einem langfristig erfolgreichen Trail verstanden: Baue den Trail so, dass sich alle darauf amüsieren können. Sowohl der schnell überforderte Anfänger als auch der schnell gelangweilte Downhiller können das Potential nutzen und den Trail auf ihre Weise geniessen. Kurz gesagt: Egal ob schnell oder langsam, pushen oder cruisen – dieser Trail macht jedem Spass.

Die atemberaubende Kulisse ist ein Bonus

Die atemberaubende Kulisse ist ein Bonus

Die Gründe dafür sind ganz klar bei den Erbauern des Trails zu suchen. Sie haben es geschafft, einen Trail für alle zu bauen und zwar so, dass er nicht innert kürzester Zeit zu Tode gefahren wird. Auf dem ganzen Trail waren Ende Jahr nur wenige Bremswellen zu finden. Er ist so gebaut, dass die Anfänger nicht zu viel Speed vor den Sprüngen oder Anliegern bekommen, sondern schön flach durch die Landschaft geführt werden und ihr Wohlfühltempo jederzeit selber bestimmen können, ohne ständig in die Eisen steigen zu müssen. Genau diese Bauart ist es auch, der dem Speed-Junkie gefällt: Nicht ständig auf der Bremse sitzen sondern immer schön das Tempo mitnehmen, egal ob in einem Anlieger oder auf einem Jump oder Table, man muss praktisch nicht bremsen und mit einem flüssigen Fahrstil muss man auch nicht treten. Optimal!

Diesen Trail haben eine handvoll einheimische Jungs zusammen mit einem Kameraden aus den Staaten gebaut. Ohne grosse Vorkenntnisse, Budgets oder ökonomischen Ambitionen. Und genau hier möchte ich den Fokus mal auf die Trails von professionellen Trailbauern in der Schweiz richten. Trailworks ist eine dieser Unternehmen. Sie haben Trails gebaut wie beispielsweise den Gotschna-Freeride oder den ehemaligen Bikepark Filzbach. In meinen Augen beides Negativbeispiele, wie man es eben nicht machen sollte (Hunderte Meter lange Holzstege sind schlicht unnötig, wenn man den Weg auch so befahren könnte. Da hat man einfach Trails aus Kanada kopiert, ohne das Prinzip dahinter zu verstehen). Ihre jüngsten Werke wie Lenzerheide sind glücklicherweise erfolgreicher.

In meinen Augen besser macht das das Claudio Caluori mit seinen Jungs von velosolutions.ch. Neben den vielen Pumptracks aus Asphalt, haben sie auch schon einige Trailperlen in der Schweiz gebaut: Die Trails am Monte Tamaro oder im Bikepark Bellwald sind nicht umsonst so beliebt. Etwas so geiles und erfüllendes wie den Pumptrail am Corviglia konnte ich jedoch von beiden Firmen noch nicht befahren. Ich möchte diesen Firmen ja nicht zu nahe treten, sie haben beide bereits Grossartiges geleistet – aber es gibt Verbesserungspotential.

Deshalb an dieser Stelle das höchstmögliche Lob an die Jungs aus St. Moritz! Ihr habt das sensationell gemacht und vielen Bikern grossen Spass bereitet. Danke dafür!

http://www.engadin.stmoritz.ch/sommer/de/aktivitaeten/sport/mountainbike/

Ist das nun lediglich die Meinung und das Luxusproblem weniger Biker oder sehen das andere ebenfalls so?

Welche offiziell gebauten Trails gefallen euch besonders oder eben gar nicht? Weshalb?

Author: Serki

Leidenschaftlicher Mountain Biker seit 1995.
Baujahr: 1975 | Länge: 187 cm | Breite: 90 Kg
Bikes: Banshee Spitfire, Santa Cruz Chameleon, Specialized Demo

3 Kommentare:

  • Lac Blanc bei Colmar. Hat für jeden Level was dabei. Nicht zu steil und schneller Liftservice. Ist schneller erreichbar als das Engadin oder Wallis

  • Ja an Lac Blanc kommt der Corviglia noch nicht ran, viel mehr Trails, noch verspielter und wie du sagst fast in der hälfte der Zeit erreichbar. Da muss ich wieder mal hin. Danke Philippe

  • Mehr Flowtrails statt Downhillstrecken würde ich mir wünschen. Flowtrails sind insbesondere im Berner Oberland leider immer noch Mangelware.

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Erstellt von am 15. Dezember 2014